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Zum 100. Geburtstag von Andrew V. McLaglen: Die Wildgänse kommen – Top-Stars im Söldner-Unwesen

28 Jul

The Wild Geese

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Eine Concorde landet in London-Heathrow. An Bord: Colonel Allen Faulkner (Richard Burton), der damit einer Einladung des britischen Bankiers Sir Edward Matherson (Stewart Granger) gefolgt ist. Das Flugticket und ein großzügiger Scheck trugen das Ihre dazu bei, Faulkner zum Kommen zu bewegen. Zwei Jahre zuvor war im zentralafrikanischen Zembala Präsident Limbani (Winston Ntshona) aus seinem Amt geputscht worden. Seine Hinrichtung ist beschlossene Sache, Faulkner soll ihn vorher befreien. Matherson hat aufgrund der reichen Kupfervorkommen des Landes geschäftliche Interessen in Zembala.

Ab nach Swasiland!

Der gealterte Söldner willigt ein, verlangt aber zwingend, zwei alte Freunde mit an Bord zu holen: Captain Rafer Janders (Richard Harris), der den Plan zur Befreiung Limbanis ausarbeiten soll, und Lieutenant Shawn Fynn (Roger Moore). Janders hat sich zur Ruhe gesetzt, lebt in London und will sich eigentlich nur noch um seinen Sohn Emile (Paul Spurrier) kümmern, lässt sich aber zur Teilnahme überreden. Fynn hält sich zufällig gerade ebenfalls in der englischen Hauptstadt auf, hat sich aber mit der Mafia angelegt. In letzter Minute kann Matherson erreichen, dass der Mordauftrag zurückgezogen wird, wodurch Fynn zum Team stoßen kann. Außerdem bringt er gleich noch den Südafrikaner Lieutenant Pieter Coetzee (Hardy Krüger) mit. Nachdem die Offiziere weitere Kämpfer angeworben haben, fliegt der gesamte 50-Mann-Trupp ins afrikanische Swasiland, um sich dort vom alten Recken Sandy Young (Jack Watson) auf Vordermann bringen zu lassen. Früher als erwartet beginnt die Mission bereits Heiligabend.

Scharfer Drill vor dem Einsatz: Faulkner (vo.) und seine Männer

Ein Haufen alter Säcke begibt sich auf ein Himmelfahrtskommando – dass sich das Alter der Haudegen so sehr bemerkbar macht und die Wirkung des Films beeinträchtigt, hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung. Meine letzte Sichtung vor der nun erfolgten liegt aber auch ewig zurück, datiert sicher bis vor die Jahrtausendwende. Dass die Söldner vor dem Einsatz erst gedrillt werden, erinnerte mich ein wenig an Stanley Kubricks Vietnam-Drama „Full Metal Jacket“ (1987). Darin erschöpfen sich die Vergleiche aber auch schon, kann „Die Wildgänse kommen“ doch zu keinem Zeitpunkt für sich beanspruchen, ein ernsthaftes und ernst zu nehmendes Kriegsdrama zu sein. Dazu trägt nicht zuletzt der schmissige Soundtrack bei. Achtet allein mal beim Absprung des Trupps per Fallschirm auf die Musik. Den Titelsong „Flight of the Wild Geese“ steuerte die englische Singer-Songwriterin Joan Armatrading bei. Ob sie wusste, was für einen Film sie da musikalisch illustrierte? Die Trainings-Sequenz wurde im Übrigen tatsächlich am Originalschauplatz in Swailand gedreht. Für die übrigen Außenaufnahmen wechselte die Crew nach Südafrika. Die Kooperation mit dem dortigen Apartheid-Regime führte später zu Protesten und Demonstrationen gegen den Film.

Der schwule Sanitäter

Die Trainingseinheiten bringen etwas soldatische Folklore an der Grenze zum Klamauk. Mit dem Sanitäter Arthur Witty (Kenneth Griffith) gibt es sogar einen Schwulen, was ein paar homophobe Schenkelklopfer zur Folge hat. Im Einsatz geht es dann aber schnell zur Sache, und dabei ist es bemerkenswert, mit welcher Chuzpe finsteres Gebaren als völlig normale Kriegshandlung dargestellt wird: Wenn in einer Baracke ein paar schlafende Soldaten einfach mal so mit Giftgas umgelegt werden, bekommen wir immerhin einen Hauch eines Gefühls davon, wie Söldner im Lauf der Geschichte in Afrika gewütet haben; wobei ich unterstelle, dass es den Machern nicht darum ging, beim Publikum dieses Gefühl hervorzurufen. Es geht ohnehin schnell wieder vorbei – sie kämpfen ja für die gute Sache!

Auf der Flucht geraten die Söldner …

Während sich die Söldner mit Limbani auf der Flucht befinden, entwickeln der Präsident und der südafrikanische Rassist Coetzee nach ein paar Gesprächen unvermittelt eine geradezu symbiotische Beziehung – bei Coetzee führt dies gar zu einem kompletten Umdenken! Bald darauf treffen die Männer auf den weißen Priester Father Geoghagen (Frank Finlay), der ihnen die Leviten liest. Ein paar humanistische Feigenblätter haben einer zünftigen Gewaltorgie noch nie geschadet. Komplett absurd gerät das Ganze, wenn einer der Söldner Colonel Faulkner gegen Ende „Wofür haben wir gekämpft, Sir?“ fragt und der antwortet: „Ich weiß es nicht“. Aber ich weiß es: Ihr habt für Geld gekämpft, das wolltet ihr doch so! Das gilt natürlich auch für die Schauspieler. Speziell die fünf Top-Stars dürften üppiges Salär eingestrichen haben, was es ihnen erleichterte, darüber hinwegzusehen, dass im Apartheid-Staat gedreht wurde. Vielleicht war es ihnen auch egal. Dem Vernehmen nach war Hardy Krüger mit dem Resultat aber gar nicht zufrieden, was er in erster Linie am Action- und Western-Regisseur Andrew V. McLaglen („McLintock!“) festmachte. Der wäre am 28. Juli 2020 100 Jahre alt geworden – er starb am 30. August 2014 im Alter von immerhin 94 Jahren.

Und Action!

Lassen wir den moralischen Aspekt einmal außen vor, bekommen wir ein kernig-brutales Action-Abenteuer zu sehen, in welchem Männer noch Männer sein dürfen. Das üppige Ensemble bringt es mit sich, dass sich das Publikum fragt, wer von den „Guten“ denn wohl am Ende überleben wird. Die Action weiß zu gefallen, wenn man derlei Geballer und Explosionen aus den 1970er- und 1980er-Jahren zu schätzen weiß (so wie ich, ähem). Insgesamt gut anzuschauen, wenn man ihn rein als Spektakel goutiert. Will man sich ernsthaft mit „Die Wildgänse kommen“ auseinandersetzen, sollte man allerdings die zwischen Zynismus und Heuchelei schwankenden Untertöne nicht ignorieren.

… unter schweren Beschuss

Als militärischer und technischer Berater wirkte Mike Hoare bei den Dreharbeiten mit, der im Februar 2020 im Alter von 100 Jahren in Südafrika starb. Hoare war viele Jahre als Söldner in Afrika tätig und erlangte mit der Vermarktung seiner Erlebnisse Wohlstand und zweifelhaften Ruhm. Der von Richard Burton verkörperte Allen Faulkner beruhte in Teilen auf Hoare und dessen Taten. 1964 hatte Hoare im Kongo die Söldnereinheit „5 Commando ANC“ als Teil der Armée Nationale Congolaise aufgestellt. Der Trupp hatte Wildgans-Abzeichen an den Uniformen, was dem Film sogar den Namen gab. Für diese Abzeichen wiederum ließ sich der Ire Hoare von den „Wild Geese“ inspirieren, irischen Söldnern, die auf der Flucht vor ihren englischen Unterdrückern ab dem ausklingenden 16. Jahrhundert in kontinentaleuropäischen Armeen anheuerten.

Auftakt der Söldnerfilm-Schwemme

Söldnerfilme gab es schon vor „Die Wildgänse kommen“. Genannt sei beispielhaft André De Toths „Ein dreckiger Haufen“ (1969) mit Michael Caine. Auch „Das dreckige Dutzend“ (1967) kann mit etwas gutem Willen als Söldnerfilm durchgehen, auch wenn die Soldaten eher unfreiwillig in den Kampf ziehen. Und wenn wir den Blick auf den Western ausdehnen, ist der große Klassiker „Die glorreichen Sieben“ (1960) natürlich ebenso ein lupenreiner Söldnerfilm wie der Western „Die gefürchteten Vier“ (1966) von Richard Brooks. Wie auch immer, „Die Wildgänse kommen“ bildete den Auftakt einer Welle von Söldner-Actionstreifen, die besonders in Italien hochschwappte und ab Mitte der 1980er-Jahre abebbte.

Coetzee (l.) schleppt sich mit Präsident Limbani ab

Richard Burton und Roger Moore sollten ihre Rollen in einer Fortsetzung erneut übernehmen, doch Burton starb kurz vor Drehbeginn, und Moore stieg daraufhin aus, weil er das Skript ohnehin nicht mochte. „Wildgänse 2“ etabliert daher Edward Fox als Allen Faulkners Bruder Alex, der in Zusammenarbeit mit einem anderen Söldner (Scott Glenn) keinen Geringeren als Rudolf Heß (Laurence Olivier) aus dem Kriegsverbrechergefängnis in Berlin-Spandau befreien soll. „Die Rückkehr der Wildgänse“ von 1986 hingegen hat überhaupt nichts mit „Die Wildgänse kommen“ zu tun, der Streifen trägt im Original den Titel „Cobra Mission“.

Ein Hit – nur nicht in den USA

An den Kinokassen erwies sich „Die Wildgänse kommen“ als veritabler Hit (daher auch die Söldnerfilm-Schwemme). Lediglich in den USA blieb der Erfolg aus, weil der dortige Verleih kurz nach Kinostart bankrottging. Angeblich ist der Film in den Vereinigten Staaten deswegen bis heute wenig bekannt – trotz der fünf großen Stars Burton, Granger, Harris, Krüger und Moore (allerdings allesamt Europäer). Burt Lancaster war für den Part von Richard Harris vorgesehen gewesen, das hätte dem Film sicher US-Schub gegeben. Er stieg aber vor Beginn der Dreharbeiten aus oder wurde dann doch nicht besetzt.

In Deutschland gut erhältlich

Beschaffungsprobleme gibt es hierzulande nicht, ein paar Blu-ray- und DVD-Auflagen der remasterten Version des Films sind problemlos zu finden. Zuletzt hat Pidax Film „Die Wildgänse kommen“ im April 2019 auf Blu-ray und DVD veröffentlicht. Im Bonusmaterial finden sich sehenswerte Featurettes über die Entstehung des Films. Ich schaue gern Exploitationfilme und kann dann über gerade im Sektor der Kriegs-Action häufig vorkommende politische Unkorrektheiten gnädig hinwegsehen. Das gilt auch in diesem Fall, der aufgrund der Top-Stars in der Besetzung ein bemerkenswertes Exemplar darstellt. Die Frage, ob der Klassiker-Status berechtigt ist, mag je nach Sichtweise zu unterschiedlichen Antworten führen.

Nicht alle Söldner werden ihre Heimat wiedersehen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Andrew V. McLaglen haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Richard Burton, Stewart Granger, Richard Harris, Hardy Krüger und Roger Moore unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 5. April 2019 als Blu-ray und DVD, 2. Dezember 2014 als Blu-ray (Cinema Treasures), 15. April 2010 als Blu-ray und 2-Disc Special Edition DVD

Länge: 129 Min. (Blu-ray), 125 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Wild Geese
CH/GB 1978
Regie: Andrew V. McLaglen
Drehbuch: Reginald Rose, nach einem Roman von Daniel Carney
Besetzung: Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris, Hardy Krüger, Stewart Granger, Winston Ntshona, John Kani, Jack Watson, Frank Finlay, Kenneth Griffith, Barry Foster, Ronald Fraser, Ian Yule, Patrick Allen
Zusatzmaterial: „Der Flug der Wildgänse“ (15:13), „The Last of the Gentlemen Producers“ (37:21), „Die Restauration“ (9:03), „Privatkrieg der Hollywood-Stars“ (24:37), Originaltrailer, Trailershow
Label 2019: Pidax Film
Vertrieb 2019: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2010 & 2014: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © Ascot Elite Home Entertainment / Pidax Film

 
 

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3 Antworten zu “Zum 100. Geburtstag von Andrew V. McLaglen: Die Wildgänse kommen – Top-Stars im Söldner-Unwesen

  1. Hans Schulte

    2020/07/29 at 10:47

    „Die Wildgänse kommen“ (GB-Schweiz 1978). Die Qualität dieses Meisterwerks ist u. a. schuld daran, daß einem heutige Actionfilme aus den USA nur selten gefallen. Von den 80er Jahren bis heute sind die meisten handelsüblichen Actionfilme sehr unecht und irgendwie märchenhaft mit oftmals völlig übertriebenen Kampfszenen, die so abwegig sind, daß allein aufgrund mangelndesn Realismus keine wirkliche Spannung aufkommen kann.
    Ganz anders bei „Die Wildgänse kommen“. Hier sind die Kampfszenen mit einer realitätsnahen Akribie inszeniert, daß alles hundertprozentig echt wirkt. Keine spektakulären Übertreibungen, keine CGIs und keine verrückten Stunts. Bodenständtige Kriegs-Action mit absoluter Hochspannung. Diese resultiert auch daher, daß mehr als ein Dutzend der 50 Söldner „ein Gesicht“ für den Zuschauer haben, d.h. sie werden durch ihre ganz spezielle Art, ihre Mimik und ihr Aussehen vertraut / einprägsam. Und wenn es nur die kleine 3-Worte-Nebenrolle Esposito ist, der aber dem Zuschauer ebenso im Gedächtnis bleibt, wie die etwas größeren Nebenrollen Jock (der knuffige Kumpel-Boxer) und Tosh (gespielt von Ian Yule, der sich selbst mimt, denn er war einer der Söldner bei der realen Aktion, die dem Film zugrunde liegt), der schnelle Jesse (John Kani, der später eine grandiose Nebenrolle in „Der Geist und die Dunkelheit“ hatte), oder der amüsant-höfliche Witty (Kenneth Griffith, der den Hoimosexuellen liebenswert portraitiert und entgegen seiner sonstigen Vorsicht eine beindruckende Szene äußersten Mutes hat).
    Urgestein Jack Watson spielt den Ausbilder Sandy, der mit derben Sprüchen uns als Publikum damals richtig schockierte (man bedenke: Das war fast 10 Jahre vor Full Metal Jacket). Übrigens großartig synchronisiert von Benno Hoffmann, der mit seiner unverwechselbaren Stimme die Rolle zum Genuß macht.
    Überhaupt sind alle Personen exquisit synchronisiert.
    👂
    Die Stars in den Hauptrollen können sich sehen lassen. Alle spielen in diesem Film die besten Rollen ihres Lebens. Richard Burton ist im Alter gereift und wirkt hier, sowie in „Die Schrecken der Medusa“ erst so richtig eindrucksvoll. Als junger Schauspieler mit kurzem Rock, noch kürzeren doofen Beinen und viel zu großen Kopf mit unnatürlich braungebrannten Gesicht war er 1956 in „Alexander der Große“ ein unünzeugende Witzfigur. Aber was ist dieser Mann positiv gereift. Sein Gesichtsausdruck hier als Colonel Faiulkner, als er seinen besten Freund erschießen muss, beeindruckt. Fiel ihm wohl leicht, weil Richard Harris (Rafer Janders) wirklich sein bester Freund war. Ich hab ja schon viel starke Tragik in Filmen gesehen, aber nichts hat mich je so tief erschüttert wie das Finale der Wildgänse, denn hier ist die persönliche Beziehung so vertieft worden, daß auch der Dümmste erkennt, es handelt sich um eine richtige Freundschaft. Außerdem sind die tragischen Umstände, die zu dem Gnadenakt führen, nicht an den Haaren herbeigezogen. In den meisten anderen Filme werden sinnlose Fälle geschaffen, in denen dann einer unlogischerweise zurückbleibt und sich opfert. Aber hier sind die Umstände ganz anders.
    Roger Moore (als humorvoller Frauenschwarm Shawn Fynn) ist der dritte der Freund. Wer hätte gedacht, daß der leichtfertige James Bond zu einem solchen ernsthaften Ausdruck fähig ist, wie Moore als er vom Tod Rafers erfährt. Sein Flug mit Verwundung ist dann ebenfalls exquisite Schauspielkunst.
    Sogar Hardy Krüger, den ich als Menschen sehr unsympathisch finde, spielt hier vorzüglich. Einen Südafrikaner, der zwar einen gewissen anerzoigenen Rassismus mitbringt, aber bereits von anfang an im Zweifel mit sich selbst steht, was daran deutlich wird, daß er bei der Planung der Giftgasangriffes auf 200 schwarze Soldaten nicht erbaut ist und sagt: „Ich mag sie nicht sonderlich, aber ich bringe sie auch nicht gerne um…..aber sie, sie glauben für ihre Ideen Menschen umbringen zu drüfen – ob sie nun richtig sind oder nicht.“
    Bereits in diesem frühen Planungsstadium wird deutlich, daß der Film immer wieder klar macht: Söldneraktionen sind eigentlich eine moralisch fragwürdige Tötungsorganisation. So sagt auf der nachdenkliche, moraliische Rafer: „Weißt du auch, wie oft ich damit falsch lag? Auf meinen Lippen das große Hallelujah für irgendeinen scheiß Befreier kämpfen, der kaum daß er an der macht war, sein eigens Volk ausbeutete.“
    Faulkner meint zwischenzeitlich: „Ich kämpfe für jeden, Hauptsache er bezahlt mich.“
    💷
    Die Aktion des Films ist aber ausnahmsweise eine moralische: Man will der demokratischen schwarzen Präsidenten Julius Limbani befreien, der in dem Händen seiner Nachfolgers, eines brutalen Diktators ist.
    Nur spielt ihre Aufträggeber Bankier Matherson (Weltstar Stewart Granger) ein doppelters Spiel.
    💰
    Erbärmlich ist, wenn ausgerechnet Hardy Krüger später dem Film zu wenig Politik vorwarf. Waren seine blutgeilen Tierdokus, wo er damit wirbt: „Krokodile halten blutige Mahlzeiten ab. Es ist ein Gemetzel“ vielleicht moralisch höher stehend?
    Gemessen an anderen Kriegsfilmen ist „Die Wildgänse kommen“ sehr politisch. 98 % aller Kriegsfilme sind weniger politisch als er. Unmoralische Werke wie „Das dreckige Dutzend“ oder „Agenten sterben einsam“ werden weit weniger kritisiert….oder die unzähligen US-Kriegsfilme aus den 50ern und 60ern, wo der Krieg als leichte Sache mit hier und da mal einem toten „unserer guten US-Boys“ dargestellt wird.
    Die Wildgänse ziehen einen großen Teil ihrer politische Aussage aus den hochinteressanten Gesprächen von Limbani mit dem Südafrikaner. Er vertieft die Zweifel, die dieser hatte und überzeugt ihn kleinschrittig von einem gemeinsamen Afrikan mit Schwarz und Weiß – statt einem Gegeneinander. Wirklich beeindruckend und nachvollziehbar. Dieser Schwarze ist einer der absoluten Sympathieträger des Films. Auich deer schwarze Jesse ist positiv. Also ist der Film keinesfalls gegen Schwarze, auch wenn die Truppen des Diktators schwarz sind, aber das waren sie im Kongo ja nun mal.
    Diese Elitetruppe Simbas ist eine Folter- und Mordtruppe, die an einem Tag mehr unschuldige Menschen umbringt als Terroristen in einem ganzen Jahr, so ein Zitat des Films. Dies ist ein großer Unterschied zu üblichen Kriegsfilmen. Während man bei Kriegshandlungen zwischen Deutschen und Amerikanern traurig ist, daß junge Bruschen, die eingezogen worden sind und eigentlich lieber Sport miteindern treiben sollten, sich gegenseitig umbringen, hat man im Unterschied dazu bei den Wildgänsen den EIndruck, daß jeder Schuß, der auf die mordgierigen Simbas abgegenen wird, letztendlich verhindert, daß diese weitere Zivilisten foltern oder töten können. Wenn diese schließlich als gigantische Masse anstürmen und vom MG niedergemäht werden, dann ist die etwas, daß kein Film heute mehr zu drehen wagen würde – aus dieversen Gründen.
    💣
    Einfallsreich, realistisch und detailliert sind die Kampfsituationen, in denen sogar darauf geachtet wurde, daß die verschiedenen Handfeuerwaffen einen unterschiedlichen Klang haben. Außerdem gibt es Schreie bei Tötungen zu hören, was äußerst selten in Film ist, und was den Film auch ohne größerer Blutmengen recht hart macht. Überhaupt geht es unter die Haut, wenn einer der Kammeraden getroffen wird. Es sind eben nicht nur schablonenhafte Actionplatzhalter, sondern Persönlichkeiten und alte Freunde, die hier ihr Leben lassen.
    Ohne Kitsch, also keine Frauen und keine Liebvesgeschichte wird kernige Männeraction gezeigt. Die pfiffigen Sprüche hier und da nehmen nicht überhand und sind keine Brüllwitze, sondern einfach passende Situationskommentare oft von Moore, weil solche Soldaten eben eine legere Art zu sprechen haben. Von coolen Sprüchen und dummen Witzen heutiger Tage ist der Film meilenweit entfernt.
    🎶
    Die Musik ist gelungen (Roy Budd) und bereits der Titelsong einer afrikanischen Sängerin beinhaltet eine gewisse Tragik im Tonfall, was genau zu der Handlung passt. Man bekommt, wenn man den Film, eine Gänsehaut bei der Zeile „Rescued from all this Old friends“, weil man weiß, wie viele gute Freunde ihr Leben lassen werden.
    Ich habe den Film über 40-mal gesehen, und natürlich wandert der mindestens einmal pro Jahr in den Player.
    ⛔️
    Es ist kein Anti-Kriegsfilm, also nicht die Zielsetzung wie „Full Metal Jacket“ oder „Der Soldat James Ryan“ oder „Der schmale Grat“. „Die Wildgänse kommen“ ist ein Pro-Kriegsfilm mit Anspruch.
    🎞
    Fazit:
    – einer der spannendsten Filme aller Zeiten
    – der beste Kriegsfilm aller Zeiten
    – einer der zehn besten Filme aller Zeiten
    Note 1+
    10 von 10 Punkten

     
    • Kay Sokolowsky

      2020/07/30 at 21:34

      Note 1+ ? Für diesen Riesenhaufen Klischee-, Killerromantik- und Kacksprüchedung? – Volkers Rezension hätte – in ihrer Fairneß und Nachdenklichkeit – allerdings eine 1+ verdient. – Aber dieses kaltherzige, miserabel montierte Machwerk mit seiner superprimitiven Dramaturgie?

      „Die Wildgänse kommen“ ist ein in jeder Beziehung durchschnittlicher Actiondreck. Ich habe mir das Ding zweimal angesehen, und jedes Mal war verschwendete Lebenzeit (und einmal verschwendetes Geld).

      Fazit:
      – einer der unspannendsten Filme aller Zeiten
      – der kriegsgeilste Kriegsfilm aller Zeiten
      – einer der zehn schlechtesten Filme aller Zeiten

      Okay, stimmt so nicht, aber ich wollte mich an Ihr hymnisches Up-Voting anpassen.(Unspannend, kriegsgeil und schlecht ist der Film freilich doch, durch und durch.)

      Sie, Hans Schulte, schreiben in Ihrer Hymne auf den Mist u. a.:
      „Einfallsreich, realistisch und detailliert sind die Kampfsituationen, in denen sogar darauf geachtet wurde, daß die verschiedenen Handfeuerwaffen einen unterschiedlichen Klang haben.“
      Ich muß gestehen, daß mich Leute gruseln, die auf solch einen morbiden Scheiß Wert legen statt auf die Geschichte, die zu den „Kampfsituationen“ führt. Von den Opfern der „Kampfsituationen“ (welch ein widerliches, technofaschistisches Wort!) gar nicht zu reden.

      Na, ich werd Sie sicherlich nicht bekehren können. Aber ehrlich: Die Vorstellung, daß ein Mensch einen semirassistischen 08/15-Brunzdummstreifen wie diesen „über 40-mal gesehen“ hat – die gruselt mich. Da fühl ich mich wie Clarice Starling, wenn sie Hannibal Lecter in der Spezialzelle besucht.

       
      • Hans Schulte

        2020/07/31 at 10:22

        Das ist nun wieder in die andere Richtung übertrieben.
        Wir sollten doch mal ehrlich sein: Was sind denn 80 % aller Kriegsfilme? Eine Verherrlichung von kriegerischen Taten, die wenigen wirklich Anti-Kriegsfilme, die freilich einen höheren Wert besitzen einmal ausgenommen (z.B. „Die Brücke“, der ein echter Anti-Kriegsfilm ist und unter die Haut geht).

        Also sollte man Filme zunächsteinmal im Rahmen des betreffenden Genres vergleichen. Somit haben wir eine Flut von patriotischen, US-amerikanischen Kriegsfilmen, die meist weniger spannend als „Die Wildgänse“, aber dafür aber mit einen schon menschenverachtenden Unbeschwertheit die Kriegstaten glorifizieren. Man erinnere sich an die fröhliche Musik bei „Okinawa“ (UA 1951), wenn MG feuern und sogar Flammenwerfer aus Panzern heraus auf die Japaner halten als wären es nur Ameisen. Sogar der etwas bessere „Der längeste Tag“ (USA 1962) bringt am Ende des Film (wohlgemerkt ein Tag, an dem über 6000 Menschen gestorben sind) fröhliche Musik zum Abschluß.
        Darf’s noch etwas dreckiger sein? „Der dreckige Dutzend 1“ (USA-GB 1967) zeigt menschenverachtend ein Aktion, in der es nur um Menschentöten geht…und zwar Offiziere, die größtenteils keine nennenswerten Waffen dabei haben (hier und da einige bewaffnete Wachposten) und Frauen, die gänzlich unbebewaffnet sind. Nicht genug dies direkt mit Handfeuerwaffen zu versuchen, nein, als die Männer und Frauen sich in einem Bunker verstekcne, nur um am Leben zu bleiben, wird erst in die Lüftungsschächte eine entschärfte Handgrante geworfen. Als die Opfer versuchen, diese zu greifen wird Benzin in den Schacht gegossen, damit die besser brennen werden. Dann säckeweise Handgranaten und schließlich noch eine zum Zünden. Alle Leute im Bunker werden getötet und die Letzten vom Dutzend kehren als Helden nach hause. Ein widerwärtiger Film. Ich würde mich übrigens genauso aufregden, wenn die Opfer englische, amerikanische oder Russische Offiziere gewesen wären.
        „Rambo 3“ übelstes Kriegsverherrlichung und schlecht (unglaubwürdig) inszeniert 1-gegen-alle-Show – dazu den kalten Krieg anheizend in einer Phase, wo genau am gefährlichsten war. Ich hasse diesen Film. Aber man gab ihm „Prädikat wertvoll“.
        Über solche Filme sollte man sich mal aufregen.
        „Opfer“ bei den Wildgänsen sind, wie ich bereits beschrieben habe, Folterer / Massenmörder, also ganz etwas anderes als wenn man Wehrpflichtige abschiesst – und wie wenig wird sich über die üblichen Kriegsfilme aufgeregt. Nur weil bei den Wildgänsen das Wort Söldner zentral ist, kriegen die immer ihr Fett ab. Bin absolut kein Fan von Söldnerfilmen.
        Dieser eine ist die Ausnahme, da er eben auch menschlich anspricht, was gewissen Leute einfach nicht wahrhaben wollen – „weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“

        Wenn man sich mit der Art der Inszenierung von Action- und Kriegsfilmen beschäftigt (aber das wird einem schwer fallen, wenn innerlich sofort die rote Lampe angeht beim Wort Kriegsfilme), dann wird man objektiv feststellen, daß „Die Wildgänse kommen“ keineswegs durchschnittlich ist. Mehr Spannung bot kein Kriegsfilm, weil eben keiner so bis in die Nebenrollen hinein persönlich war und die Aktion selten so gerechtfertigt (womit ich nicht verschweigen will, daß Söldneraktionen in der Realität zu 99 % unmoralisch und mörderisch waren). Da muss man schon „Der Soldat James Ryan“ heranziehen, um ein adäquates Pendant zu haben was Moral der Aktion (in beiden Fällen soll ein Mann gerettet werden, wobei Limbani als Friedenspolitiker sogar noch mehr bewirken kann als Ryan) und in beiden Filmen sind Nebenrollen persönlich ausgearbeitet. Allerdings hat Saving Private Ryan aufgrund der 20 Jahre technischer Entwicklung und des exorbitant höheren Budgets mehr Spektakel zu bieten.

        Falsch ist, daß jemand, der Details wie die Geräusche der Waffen, wahrnimmt automatisch nicht auf die Geschichte achtet. Das ist etwa so, als würde ich, wenn sie den Nachtisch eines Menues loben, ihnen unterstellen würde: „Sie sind ja gar nicht in der Lage ein gut gewürztes Hauptgericht zu schmecken.“ Das Eine schließt das Andere nicht aus.
        Gerade die Geschichte bei Wildgease ist ja so interessant. Die Wendung, plötzlich nicht mehr weg zu kommen, die Überlegungen, was man tun könnte, die neue Wendung mit dem alten Flugzeug…

        So einen Film als nicht spannend zu bezeichnen, ist schon in sich abwegig genug. Wieviel spannender kann es denn noch werden, als in einem fremden Land ohne Möglichkeit sicher wieder heraus zu kommen, zu sein, mit seinen Besten Freunden, die man auf keinen Fall verlieren will und einem wehrlosen, aber anständigen Politiker. Anrückende Massen kampferprobter Foltertruppen, die nicht einfach nur Erschiessen im Sinn haben, sondern sich gerne auch mal Zeit lassen (siehe Witty).
        Es wurde in letzter Zeit eine Menge Wissenswertes über den 10-Millionen-Massenmord des belgischen Königs im Kongo geschrieben. Nun sollte man wissen, daß „Die Wildgänse“ auch im Kongo spielt und daß jene Simba-Truppen, die zur regulären Armee umfunktionierten schwarzafrikanischen Söldner der Belgier sind, die auch nach der kolonialen Lösung noch munter weiter gemordet haben, um an die Bodenschätze zu kommen. Dadurch bekommt der Hintergrund eine ganz andere Brisanz.
        Etliche Quellen behaupten sogar, daß ein gewisser Teil der Handlung von „Die Wildgänse kommen“ auf Tatsachen beruht. Sogar Flugzeug mit den verwundeten Söldnern und einem einheimischen toten Politiker an Bord, welches ins Nachbarland floh, gab es – die ist belegt.

        Man kann die gewissen Tragik darin sehen: Söldner morden üblicherweise für skrupellose Auftraggeber, werden gut bezahlt und kommen damit durch. Diesmal haben sie mal ausnahmsweise etwas Besseres in Auftrag, nämlich einen Friedenspolitiker zu retten – und gerade dies geht schief und kostet die Mehrheit das Leben.

        Mich gruselt vor Leuten, die jeden Film, wo gekämpft wird, pauschal ablehen und jammern: „Ich möchte jetzt sofort wieder meinen American Beauty oder wenigstens Aus der Mitte entspringt ein Fluß sehen.“

         

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