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Horror für Halloween (XXXIII): Der Horror-Alligator – Schnappi in der Kanalisation

26 Okt

Alligator

Von Volker Schönenberger

Horror // Die kleine Marisa Kendall (Leslie Brown) ist 1968 beim Besuch einer Alligatorenfarm im Urlaub in Florida ganz angetan von den possierlichen Tieren. Ihre Mutter kauft ihr ein winziges Junges fürs Terrarium daheim (eine nicht genannte Stadt im US-Staat Missouri). Marisas Vater hingegen ist alles andere als begeistert und spült den Baby-Alligator bei der erstbesten Gelegenheit in der Toilette herunter.

Zwölf Jahre später entdecken Arbeiter in der Kanalisation den abgetrennten Arm eines Mannes …

Der Cop und die Alligator-Expertin

Detective David Madison (Robert Forster) wird auf den Fall angesetzt. Ihm eilt ein unschöner Ruf voraus, seit er in St. Louis einen Partner verlor. Seine Ermittlungen führen ihn nicht nur in die Kanalisation, sondern auch zu Marisa Kendall (nun Robin Riker), die aus ihrer Leidenschaft für Reptilien einen Beruf gemacht hat und als Zoologin zu einer anerkannten Expertin für Alligatoren geworden ist. Doch bevor der Stadt bewusst wird, dass sie von einem überdimensionalen Alligator heimgesucht wird, müssen erst weitere Menschen sterben.

Im Fahrwasser von „Der weiße Hai“

Unverkennbar: Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ (1975) stand für den fünf Jahre später entstandenen „Der Horror-Alligator“ Pate. Das beginnt natürlich schon beim Tier, jeweils eine für ihre Art überdurchschnittlich große Kreatur (was im Falle des Alligators kurios erklärt wird). Es setzt sich fort bei der Figurenkonstellation: Was in „Der weiße Hai“ Roy Scheiders Polizist ist, dem man keinen Glauben schenken will, ist hier Robert Forsters Cop. Der von Richard Dreyfuss in Spielbergs Klassiker verkörperte Haifisch-Experte findet seine Entsprechung in Marisa Kendall, und selbst für den knorrigen Hai-Jäger, den seinerzeit Robert Shaw spielte, gibt es ein Pendant: den überheblichen Großwildjäger Colonel Brock (Henry Silva, „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“), der angeheuert wird, den Alligator zu erlegen.

Uncut mit FSK 16

Nicht immer verhalten sich das Tier und diverse Menschen logisch, hier hätte man Spannung und Suspense etwas cleverer aufbauen können. Das tut aber der Freude über die Alligator-Attacken keinen Abbruch. Hübsch blutig geht es zu, der Film spielt gekonnt mit der Urangst, von einem großen Krokodilmaul gepackt zu werden. Fast überrascht es, dass die ungekürzte Fassung seinerzeit mit FSK 16 fürs Heimkino veröffentlicht wurde. Aber wir wollen uns nicht beklagen.

Chicago?

Im Netz findet sich als Ort der Handlung bisweilen die Nennung von Chicago, was damit zu tun haben mag, dass im Anschluss an den in Florida spielenden Prolog im Heim der Familie Kendall in einer Radionachricht von Chicago die Rede ist. Allerdings war zuvor zu sehen, dass das Auto der Kendalls auf der Rückfahrt aus dem Urlaub ein Willkommensschild von Missouri passiert, was für eine Stadt in diesem US-Staat spricht. Gedreht wurde allerdings so oder so in Los Angeles.

Der Kroko-Horror

Das Tierhorror-Subgenre des Krokodilfilms hat einige sehenswerte Exemplare hervorgebracht. Zu nennen sind etwa Alexandre Ajas „Crawl“ (2019) sowie die beiden australischen Vertreter „Rogue – Im falschen Revier“ und „Black Water“ (beide 2007), wobei das Sequel „Black Water: Abyss“ (2020) eher entbehrlich erscheint. Dafür lässt sich der mit schwarzem Humor angereicherte „Lake Placid“ (1999) mit Freude schauen. Der thailändische Beitrag „The Pool“ (2018) beschreitet als Kammerspiel in einem leeren Schwimmbecken einen originellen Weg. Und wer keine Berührungsängste mit Trash hat, kann auch Streifen wie „Lake Placid vs. Anaconda“ (1999), „Mega Shark gegen Crocosaurus“ (2010) und „Mega Python vs. Gatoroid“ (2011) etwas abgewinnen. Als früher Vertreter macht „Der Horror-Alligator“ unter all diesen Filmen auch heute noch eine gute Figur.

Drehbuchautor John Sayles

Eine interessante Personalie offenbart der Blick auf den Autor des Drehbuchs: Der 1950 im US-Staat New York geborene John Sayles wurde für die Originaldrehbücher seiner Regiearbeiten „Passion Fish“ (1992) und „Lone Star“ (1996) immerhin für den Oscar nominiert. Von ihm stammen die Skripts zu Joe Dantes Tierhorror-Klassikern „Piranhas“ (1978) und „The Howling – Das Tier“ (1981) sowie des Dolph-Lundgren-Actioners „Men of War“ (1994). Als Regisseur verantwortete er unter anderem die drei Bruce-Springsteen-Musikvideos „Born in the U.S.A.“ (1984), „I’m on Fire“ (1985) und „Glory Days“ (1985).

Immer diese Bootlegs

Bei der Lieferbarkeit deutscher Veröffentlichungen scheint es aktuell ein paar Unstimmigkeiten zu geben. Recht problemlos und für kleines Geld findet sich die Horror-Box, eine DVD, die zusätzlich zu „Der Horror-Alligator“ (dort als „Alligator I“) auch die Fortsetzung „Alligator II – Die Mutation“ von 1991 enthält, welche qualitativ aber bei Weitem nicht an den Vorgänger herankommt. Da ich bei diversen Heimkino-Veröffentlichungen unsicher bin, ob das jeweilige Label sie ordnungsgemäß lizenziert hat, verzichte ich darauf, diese aufzulisten. So hat im ersten Halbjahr 2021 ein mir bis dato unbekanntes Label ein aufwendig produziertes Mediabook angekündigt, aber offenbar das Logo des US-Rechteinhabers Lionsgate nicht auf die Rückseite gepackt. Da verschiedene Nachfragen über Social Media zu diesem Sachverhalt unbeantwortet blieben, kann man sich sein Teil denken, zumal die Veröffentlichung bald darauf wortlos gestrichen wurde. Schade drum, dass manche offiziell geschäftstätige Publisher offenbar unseriös agieren. „Der Horror-Alligator“ hat auf jeden Fall eine schöne Edition verdient. Mir reicht allerdings meine US-DVD. Allemal besser als ein Bootleg.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Lewis Teague haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Robert Forster und Henry Silva unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 8. Juli 2013 als Blu-ray (Double Feature mit „Alligator II – Die Mutation“), 5. November 2011 als DVD (als „Horror-Box“ mit „Alligator II – Die Mutation“), 3. Juni 2011 als DVD in Hartbox, 1. März 2011 als DVD in großer Hartbox (3 Covermotive, zweimal 111 Exemplare und eins à 84 Exemplare), 18. November 2005 als DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: R-Rated (D: FSK 16)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch, Spanisch
Originaltitel: Alligator
USA 1980
Regie: Lewis Teague
Drehbuch: John Sayles
Besetzung: Robert Forster, Robin Riker, Michael V. Gazzo, Dean Jagger, Sydney Lassick, Jack Carter, Perry Lang, Henry Silva, Bart Braverman, John Lisbon Wood, Leslie Brown, Buckley Norris
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb Blu-ray: Marketing Film
Label/Vertrieb DVD: Laser Paradise
Label/Vertrieb DVD in Hartboxen: ’84 Entertainment

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

 

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