RSS

Schlagwort-Archive: Javier Bardem

Mother! Radikale Schöpfungsgeschichte

Mother!

Kinostart: 14. September 2017

Von Andreas Eckenfels

Horrordrama // Der neue Film von Darren Aronofsky („Noah“) kam mehr oder weniger aus dem Nichts: Gerade mal knapp sechs Wochen lagen zwischen dem ersten Trailer und dem Kinostart. Die Clips ließen dann auch kaum Rückschlüsse darauf zu, worum es in „Mother!“ eigentlich geht. Eine verstörte Jennifer Lawrence taumelt darin durch eine Ansammlung von mysteriös anmutenden Szenen. Alles wirkt irgendwie gespenstisch. Dazu passt, dass Aronofsky sich dazu entschied, seinen Figuren keine Eigennamen zu geben. Sie werden noch nicht mal in irgendeiner Form angeredet. Jennifer Lawrence spielt „Mother“, Javier Bardem wird im Abspann nur mit „Him“ bezeichnet. Auch den Nebenfiguren ergeht es nicht anders: So heißt Ed Harris’ Charakter schlicht „Man“ und Michelle Pfeiffer „Woman“.

Ungebetene Gäste

Die Figuren von Lawrence und Bardem leben in einem abgelegenen Landhaus, welches einst durch ein Feuer zerstört wurde. Während sie das Haus restauriert, versucht der erfolgreiche Autor, seinen nächsten Roman in Angriff zu nehmen. Doch eine Blockade hat sich in ihm breitgemacht – er bekommt keinen ordentlichen Satz aufs Papier geschrieben. Das Paar wird eines Abends durch das Klopfen eines Fremden gestört. Der ältere Herr (Harris) gibt an, er habe gedacht, dass es sich bei dem Haus um eine Pension handelt. Ohne mit seiner Frau Rücksprache zu halten, lädt der Autor den Fremden dazu ein, bei ihnen zu übernachten.

Von Visionen geplagt

Bald stellt sich heraus, dass der Neuankömmling in Wahrheit ein großer Verehrer des Autors ist. Der Mann leidet an einer tödlichen Krankheit. Bevor er stirbt, wollte er den Schriftsteller unbedingt persönlich kennenlernen. Der Autor fühlt sich zutiefst geehrt und ist auch nicht darüber erstaunt, dass am nächsten Tag auch noch die Frau (Pfeiffer) des Fremden vor der Tür steht. Die beiden benehmen sich seltsam, tun so, als ob sie in dem Landhaus zu Hause sind. Sie lassen alles herumliegen und zeigen keinerlei Respekt gegenüber den Eigentümern. Während den Autor das in keinster Weise zu stören scheint, wird seine Frau gegenüber den ungebetenen Gästen immer misstrauischer. Dazu kommt, dass sie von Visionen geplagt wird. Es scheint so, als ob das Haus ein Eigenleben entwickelt. Die Flurdielen beginnen vor ihren Augen zu bluten und hinter den Wänden pocht es, als sei dort ein schlagendes Herz verborgen.

Gefühl der Ohnmacht

Diese Vorkommnisse sind nur der Beginn einer Reihe von seltsamen Ereignissen, denen Lawrence’ Figur ausgesetzt wird, die sich langsam aber sicher in ein albtraumhaftes Szenario steigern, aus dem es für sie keinen Ausweg zu geben scheint. Verstärkt wird dieses Gefühl der Ohnmacht durch eine ähnliche Technik, wie sie Aronofsky auch schon in seinem Oscar-gekrönten „Black Swan“ anwendete: Fast der gesamte Film wird aus der Perspektive von Lawrence’ Mother erzählt. Extreme Close-ups und die eliptische Erzählweise, in der die Handlung schnell hin- und herspringt, sorgen dafür, dass auch der Zuschauer dem Treiben kaum entrinnen kann. Die Hauptdarstellerin muss dabei noch größeres Leid über sich ergehen lassen als Natalie Portman in „Black Swan“. Wieder einmal eine starke Leistung des „Tribute von Panem“-Stars Lawrence, die sich nicht auf ihren Oscar-Lorbeeren ausruht, sondern sich mit dieser intensiven Rolle fordert.

Suche nach der Ursache

Ohne Frage wird „Mother!“ wegen seiner Radikalität die Gemüter spalten. Von Aronofsky hätte man allerdings etwas mehr Substanz erwarten können als diese stark inszenierte, aber recht seelenlose Abhandlung über den Teufelskreis, in dem jeder Künstler und dessen Muse gefangen sind, wenn er seine Werke mit der Öffentlichkeit teilt. Durch diese Allgemeingültigkeit ist es somit nur konsequent, dass der Regisseur seinen Figuren keine Namen gegeben hat.

Schwangere im Chaos

In der ersten Hälfte wirkt das alles noch sehr intim, wie ein kammerspielartiger Haunted-House-Horrorfilm. Ein wohliger Grusel macht sich breit. „Was zum Teufel geht hier vor?“, fragt man sich fortwährend. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr steigert sich das Chaos im Gebäude und zahlreiche absurde Banalitäten nehmen überhand. Während immer mehr Menschen in das Haus strömen und die inzwischen schwangere Lawrence keine Unterstützung mehr von ihrem Mann erhält, verkommt Aronofskys Schöpfungsgeschichte zu einem visuell überbordenden Sündenfall mit teils brutalen Momenten, der dank der großartigen Stars zwar fasziniert, den Zuschauer am Ende aber aufgrund der allzu schlichten Erzählung enttäuscht zurücklässt. Viel Lärm um nichts.

Am Ende regiert das Chaos

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jennifer Lawrence und/oder Kristen Wiig sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Ed Harris unter Schauspieler.

Länge: 122 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Mother!
USA 2017
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Darren Aronofsky
Besetzung: Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Ed Harris, Michelle Pfeiffer, Kristen Wiig, Brian Gleeson, Domhnall Gleeson, Jovan Adepo
Verleih: Paramount Pictures Germany

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Paramount Pictures Germany

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Pirates of the Caribbean – Salazars Rache: Eine letzte Fahrt – oder doch noch nicht?

Pirates of the Caribbean – Dead Men Tell No Tales

Kinostart: 25. Mai 2017

Von Matthias Holm

Fantasy-Abenteuer // 14 Jahre ist es inzwischen her, dass Johnny Depp als Captain Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“ gegen untote Piraten antreten musste. Der Mix aus wunderschönen Schauplätzen, interessanter Mythologie und erinnerungswürdigen Figuren war so erfolgreich, dass bis 2011 drei Sequels folgten. Doch bereits Teil drei war vielen Zuschauern zu überladen und der vierte Film war schlichtweg langweilig. Skepsis war also angesagt, als ein fünfter Teil der Saga angekündigt wurde. Statt Gore Verbinski (Teil eins bis drei) und Rob Marshall (Teil vier) übernahmen die beiden Norweger Joachim Rønning und Espen Sandberg („Max Manus“, „Kon-Tiki“) die Regie.

Jack und seine „Black Pearl“

Jack Sparrow (Johnny Depp) ging es schon mal besser: Seine Crew steht nicht unbedingt loyal zu ihm und sein Schiff, die „Black Pearl“, ist als Buddelschiff in einer Flasche gefangen. Doch als er seinen magischen Kompass gegen Rum eintauscht, kommt es noch schlimmer – so wird der böse Captain Salazar (Javier Bardem) befreit. Den hat Jack in seiner Jugend in eine Falle gelockt, seitdem sinnt sein Geist auf Rache. Zum Glück stolpert Jack über den jungen Henry (Brenton Thwaits), der auf der Suche nach dem Dreizack von Poseidon ist, der sämtliche Flüche der See aufheben kann und so auch die Geister vertreiben würde. Wie es der Zufall so will, liegt die Karte zum Dreizack in den Händen der Forscherin Carina Smyth (Kaya Scodelario), die schon Bekanntschaft mit Henry gemacht hat.

Neue Helden braucht das Land

Leider gestaltet sich diese Schnitzeljagd eher überraschungsarm. Wie die eigentliche Geschichte ausgeht und welche Wendungen sie nimmt, ahnt jeder, der schon mal einen Film gesehen hat. Doch das war nie die Stärke des „Pirates of the Caribbean“-Franchises. Natürlich liefert ein Johnny Depp als Jack Sparrow seine gewohnt gute Performance, genauso wie Geoffrey Rush als Barbossa, eine weitere Konstante der Filme. Wer jedoch angenehm überrascht, sind die beiden Neuzugänge auf der Heldenseite: Brenton Thwaites („Hüter der Erinnerung – The Giver“, „Gods of Egypt“) und Kaya Scodelario („Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ & „… in der Brandwüste) ergänzen einander hervorragend und spielen sich in den Dialogen immer wieder gegenseitig die Bälle zu. Henry als abergläubischer Seefahrer, der schon den einen oder anderen Kontakt mit Geistern und dergleichen hatte, und Carina, die fest an die Wissenschaft und nicht an Magie glaubt – das sind interessante Gegensätze.

Carina und Henry kommen einander näher

Über jeden Zweifel erhaben ist Oscar-Preisträger Javier Bardem („No Country for Old Men“). Im Gegensatz zu Ian McShane, der den Bösewicht des vierten Teils mimte, geht von Bardem eine konstante Bedrohung aus, wenn er zum Beispiel in seinem Hass auf Piraten skrupellos Barbossas Crew dezimiert. Einen großen Anteil am Funktionieren dieser Szenen hat auch das Figurendesign. Salazar sieht so aus, als befinde er sich ständig unter Wasser, seine Abzeichen und Haare scheinen durch die Luft zu gleiten. Dazu fehlen ihm Hautfetzen im Gesicht, was sein bedrohliches Auftreten unterstreicht.

Salazar macht Jagd auf Jack

Ohnehin ist die Optik das größte Pluspunkt des Films. Wenn die Piraten durch eine karibische Hafenstadt fliehen oder Salazars Schiff wortwörtlich andere Segler verschlingt, ist das schlichtweg beeindruckend. Wie man es von dem Franchise aus dem Hause des Produzenten Jerry Bruckheimer dann auch gewohnt ist, gibt es Actionsequenzen, die absolut unrealistisch sind. Doch wo sich die anderen Filme in ihrem Bombast wälzten, ist sich „Salazars Rache“ stets bewusst, wie übertrieben das alles ist, und macht sich daraus das eine oder andere Späßchen.

Mal wieder eine Szene nach dem Abspann

Am besten ist der Film immer dann, wenn er die Fans des Franchises anspricht. Es gibt einige Momente, die darauf konzipiert sind, Gänsehaut zu verursachen, und die dies zuverlässig schaffen, ohne peinlich zu wirken. Als Beispiel sei Jacks Ernennung zum Captain erwähnt, bei der er verschiedene Gegenstände bekommt, die er immer noch herumträgt. Es gibt viele solche kleinen Verweise, unterlegt mit den nach wie vor großartigen Musikstücken des ersten Teils. Vor allem gelingt dem Action-Abenteuer etwas, das man ihm nicht zugetraut hätte – einen wirklich würdigen Abschluss. Wenn da nur nicht diese blöde After-Credit-Szene wäre …

Mach mal „Aaah“!

„Pirates of the Caribbean – Salazars Rache“ ist kein herausragendes Abenteuer wie der erste Teil. Und doch schafft er es, Captain Jack Sparrow und seiner Crew eine würdige letzte (oder vorletzte? Oder vorvorletzte?) Fahrt zu spendieren. Das Drehbuch hätte ruhig straffer sein können, aber sowohl die lieb gewonnen alten als auch die gelungenen neuen Figuren lassen es nie langweilig im Kino werden. Jo-hoo – und ‘ne Buddel voll Rum.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Johnny Depp sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 129 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Pirates of the Caribbean – Dead Men Tell No Tales
USA 2017
Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg
Drehbuch: Jeff Nathanson, Terry Rossio
Besetzung: Johnny Depp, Javier Bardem, Brenton Thwaits, Kaya Scodelario, Geoffrey Rush, Kevin McNally, David Wenham, Stephen Graham
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2017 Disney Enterprises Inc. All Rights Reserved.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2017/05/23 in Film, Kino, Rezensionen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: