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Terminator – Dark Fate: Gebt dem Fan, was der Fan will

Terminator – Dark Fate

Kinostart: 24. Oktober 2019

Von Volker Schönenberger

SF-Action // Erinnern wir uns: Am Ende von „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (1991) war es Terminator T-800 (Arnold Schwarzenegger) gelungen, den weiterentwickelten T-1000 in einen Bottich mit geschmolzenem Stahl zu befördern und auf diese Weise zu vernichten. Er selbst ließ sich anschließend von Sarah Connor (Linda Hamilton) und ihrem Sohn John (Edward Furlong) ebenfalls „terminieren“, damit Skynet der in ihm verbauten Technik nicht habhaft werden kann. Mutter und Sohn fuhren alsdann in eine ungewisse Zukunft.

Ein neuer Terminator …

Das war Mitte der 1990er-Jahre. 1998 halten sich Sarah Connor und John an einem Strand in Guatemala auf, als aus heiterem Himmel erneut ein Terminator auftaucht, der frappierend einem österreichischen Bodybuilding-Champion ähnelt – diesmal aber nicht als Helfer in der Not …

… mit neuen Möglichkeiten

Moment – „Terminator 2“? Ganz recht, für „Dark Fate“ wurden „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ (2003), „Terminator – Die Erlösung“ (2009) und „Terminator – Genisys“ (2015) aus dem „Terminator“-Universum ausradiert, der jüngste Beitrag dockt an die erste Fortsetzung von „Terminator“ (1984) an.

Jagdszenen in Mexiko-Stadt

Zurück zur Handlung: 22 Jahre nach den Ereignissen am guatemaltekischen Strand lernen wir Dani Ramos (Natalia Reyes) kennen, die mit ihrem Bruder Diego (Diego Boneta) in einer Kfz-Produktionsstätte in Mexiko-Stadt arbeitet. Von jetzt auf gleich gerät ihr Leben vollständig aus den Fugen: Ein Terminator (Gabriel Luna) – Modell Rev-9 – betritt in Gestalt ihres Vaters die Autofabrik und will sie ohne viel Federlesens umbringen. In letzter Sekunde erscheint Grace (Mackenzie Davis) auf der Bildfläche, rettet sie vor den mörderischen Attacken und flieht mit Dani und ihrem Bruder. Rev-9 ist ihnen allerdings dicht auf den Fersen.

Kann Grace ihm Paroli bieten?

Der geneigte „Terminator“-Kenner weiß: Der mörderische Roboter und die mit futuristischer Technik zu einer Supersoldatin gepimpte Grace kommen aus der Zukunft, und Dani wird in dieser Zukunft beim Kampf der Maschinen gegen die Menschen eine herausragende Rolle spielen, weshalb sie eliminiert werden soll. Welche Rolle das ist, will ich hier nicht verraten, obwohl es für die Ereignisse in „Terminator – Dark Fate“ keine entscheidende Bedeutung hat. Als Grace Danis Rolle in der Zukunft zu einem späteren Zeitpunkt des Geschehens enthüllt, hat das bei mir keinen besonderen Wow-Effekt hervorgerufen. Das gilt ebenso für die Erklärung, weshalb die Maschinen überhaupt wieder einen Killer-Roboter aus der Zukunft in unsere Zeit beamen – hatten Sarah und John Connor die Bedrohung doch in „T2“ abgewendet. Auch bei diesem Punkt wäre ein Spoiler keine Todsünde, da die Erklärung einzig dem Zweck dient, die neue Jagdsituation zu begründen, aber ich unterlasse das Spoilern dennoch. Nur so viel: Wenn nicht Cyberdyne und Skynet die Bedrohung darstellen, ist es eben eine andere künstliche Intelligenz, die zu dem Schluss kommt, die Menschheit sei die Wurzel allen Übels und gehöre daher ausgemerzt.

Invasion der Terminatoren

Was für „Genisys“ gilt, lässt sich auch für „Dark Fate“ konstatieren: Der Fan will bedient werden, also wird hinreichend Fanbedienung eingebaut. Das beginnt mit einer Traumsequenz, die einen Angriff etlicher Terminatoren zeigt, effektvoll inszeniert wie eine Invasionssequenz am Strand der Normandie. Dass Linda Hamiltons Sarah Connor eine tragende Rolle spielt, dürfte bekannt sein, da es allerorten verbreitet wurde und ihr Auftritt in den Trailern prominent präsentiert wird (von der Sichtung der Trailer rate ich sowieso ab). Mit der von Mackenzie Davis („Blade Runner 2049“, „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“) verkörperten Grace erhält sie eine toughe Mitstreiterin an die Seite gestellt, was einige fulminante Duelle mit Rev-9 zur Folge hat.

Vielleicht mit Unterstützung von Sarah Connor

Der neuartige Terminator verfügt wie sein Vorgänger T-1000 aus „T2“ über Gestaltwandler-Fähigkeiten und kann seine Arme als mächtige Klingen ausfahren. Wird er zerteilt, verschmelzen die Einzelteile alsbald wieder zu einer Einheit, was bei T-1000 allerdings eleganter aussah – bei Rev-9 wirkt das Ganze wie eine teerartige Klebemasse. Eine spektakuläre neue Fähigkeit verleiht ihm noch mehr Möglichkeiten als seine Vorgänger, doch sie wurde von den Drehbuchautoren und Regisseur Tim Miller nicht zu Ende gedacht, denn bei effektivem Einsatz müsste es Rev-9 viel leichter fallen, Grace und Sarah zu überwinden und Dani zu töten. Ohnehin greift und sticht mir diese an sich doch perfekte Killermaschine etwas zu häufig knapp daneben. Das ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass der Film zu schnell vorbei wäre, wenn der Terminator sein Zielobjekt einfach abmurkst, ohne dass irgendjemand in der Lage ist, das zu verhindern. Ein Logikloch bleibt es trotzdem, ebenso wie die Überlegung, weshalb die so mächtige wie fähige künstliche Intelligenz der Zukunft nicht einfach zwei, zehn oder fünfzig weitere Terminatoren gleichzeitig auf die Jagd nach Dani geschickt hat. Die Frage konnte man sich natürlich auch schon 1984 bei T-800 und 1991 bei T-1000 stellen. Vielleicht wurden als Antwort darauf seinerzeit aber auch in einem Nebensatz unbestimmte Produktionsengpässe genannt, die mir entgangen sind. Bei Rev-9 gibt es dafür keine Erklärung.

Vom Regisseur von „Deadpool“

Der Regisseur verpasst es in seiner zweiten Kino-Regiearbeit nach „Deadpool“ (2016), dem „Terminator“-Universum neue Impulse zu geben. Vielleicht ist das ohnehin ein aussichtsloses Unterfangen, sind daran doch schon die drei Vorgänger gescheitert. Die beiden ersten Filme der Reihe thronen so dermaßen hoch über ihren Nachfolgern inklusive „Dark Fate“, dass sie letztlich für sich stehen. Ohne den Unterhaltungswert der Teile 3 bis 6 zu leugnen, bleibt doch festzuhalten, dass sie nur insofern zum Ikonenstatus der Maschinenwesen beigetragen haben, als sie Arnie in Teil 1 und 2 sowie Robert Patrick als T-1000 in „T2“ umso heller leuchten lassen. Obwohl ich zugebe, dass mir Kristanna Loken als T-X in „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ und nun auch Gabriel Luna als Rev-9 recht gut gefallen haben.

Graces Mission: Danis Leben zu schützen

Zurück zur Fanbedienung, hin zu Arnie: Er ist nicht exakt der T-800 aus „Terminator“ und „T2“, sondern ein minimal modifiziertes „Model 101“, aber viel mehr will ich nicht über ihn verraten. Nur so viel: Trotz ein paar Augenzwinkereien legt Schwarzenegger seine Rolle recht ernsthaft an, und wirft sogar die nicht nur aus „Blade Runner“ bekannte Frage auf, ob künstliche Wesen eine Seele entwickeln können. Diese Interpretation des Terminators ist angetan, von einigen als albern abgekanzelt zu werden, mir hat sie ausgesprochen gut gefallen.

Der alte Terminator greift ein

I’ll be back. Den legendären Oneliner bekommen wir immerhin zu hören, wenn auch … aber lassen wir das. Hasta la vista, baby hingegen erklingt nicht, aber in einer Szene kann sich das Publikum den Satz mühelos dazudenken. Nicht die letzten Wiedererkennungswerte, die „Terminator – Dark Fate“ auffährt – für Fans gibt es viel zu entdecken.

Duell der Frachtflugzeuge

Die Action ist fulminant und over the top, wie wir es erwarten können. Zwei große Sequenzen stechen heraus: zum einen die erste Attacke von Rev-9 in der Fabrik samt anschließender Verfolgungsjagd ohne Rücksicht auf Verluste, zum anderen eine weitere Verfolgungsjagd, diesmal hoch am Himmel mit zwei großen Frachtflugzeugen, die an einem Staudamm ihr Ende findet. Glaubwürdigkeitsfanatiker werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber für die werden derlei Szenen auch nicht gedreht. Als Armlehnenkraller und zur zeitweiligen Einstellung der Atmung taugen sie allemal.

Wer behält die Oberhand?

Wer gewaltiger Science-Fiction-Action etwas abgewinnen kann und sich mal wieder eine mächtige „Terminator“-Brise um die Nase wehen lassen will, begeht mit dem Kauf des Kinotickets keinen Fehler. Erwartet aber bitte kein visionäres Kino! Die große erzählerische wie technologische Vision haben uns 1984 „Terminator“ und 1991 „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ beschert, wofür wir Genre-Fans James Cameron auf ewig in Ehren halten werden – er findet sich übrigens unter den Produzenten von „Terminator – Dark Fate“. Einer 2017 von Cameron getätigten Aussage zufolge wird es keinen weiteren „Terminator“-Film geben, doch wir wissen ja, was angesichts von Hollywoods „Money Money Money“-Mechanismen alles möglich wird, wenn die Zeit dafür reif ist.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Arnold Schwarzenegger sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Länge: 128 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Terminator – Dark Fate
CHN/USA 2019
Regie: Tim Miller
Drehbuch: David S. Goyer, Justin Rhodes, Billy Ray
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, Mackenzie Davis, Linda Hamilton, Natalia Reyes, Gabriel Luna, Diego Boneta, Tom Hopper, Cassandra Starr, Brett Azar, Edward Furlong
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakate & Szenenfotos: © 2019 Twentieth Century Fox of Germany GmbH

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/10/23 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Horror für Halloween (XX): Maggie – Arnie und die Untoten

Maggie

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Arnold Schwarzenegger in einem Zombiefilm? Nun gut, was sein Action-Kollege Dolph Lundgren in „Battle of the Damned“ (2013) und später in „Zombie Shooter“ (2017) kann, kann Arnie schon lange. Doch während die schwedische Kampfmaschine bei seinen Begegnungen mit den Untoten dem Action-Sujet treu blieb, hat sich der Österreicher für ein Drehbuch mit einem ernsthaften Ansatz entschieden.

Wade wehrt sich gegen einen zombiefizierten Nachbarn

Eine Zombie-Pandemie hat in den USA Millionen Todesopfer gefordert, bevor es gelang, die weitere Ausbreitung zu stoppen. Maggie Vogel (Abigail Breslin) ist von einem Untoten gebissen worden und sieht sich mit ihrer schleichenden Zombiefizierung konfrontiert. Das mag zwar sechs bis acht Wochen dauern, scheint aber unausweichlich zu sein. Nach zweiwöchiger Suche hat ihr Vater Wade (Schwarzenegger) seine Tochter in einer Klinik gefunden. Er bringt sie heim, zu seiner Frau Caroline (Joely Richardson), Maggies Stiefmutter. Zur Sicherheit quartiert das Ehepaar die gemeinsamen Kinder bei einer Tante ein.

Schwarzenegger verzichtet auf Gage

Ein Drehbuchdebüt gepaart mit einem Regiedebüt – bemerkenswert, dass sich Arnold Schwarzenegger dieses Independent-Projekts als Produzent annahm. Das Skript geisterte anscheinend schon einige Jahre in der Branche herum, fand sich 2011 in einer Liste der interessantesten Drehbücher ohne Verfilmungskontrakt. Für die Hauptrolle verzichtete er sogar auf seine Gage. Schwarzeneggers Präsenz ist Fluch und Segen zugleich: Seine schauspielerische Leistung überzeugt auf ganzer Linie, Wades Verzweiflung, das Ringen darum, was zu tun das Richtige ist, sind jederzeit nachvollziehbar. Er nimmt sich zurück, verzichtet auf markige Sprüche. Aber er ist eben eine beeindruckende Gestalt und ein Superstar, das lenkt ein klein wenig vom Plot ab. Der positive Eindruck seiner reifen Leistung überwiegt aber klar.

Der Vater hat seine infizierte Tochter nach Hause geholt

Auch schon wieder zehn Jahre her, dass Abigail Breslin in ihrem ersten Zombiefilm „Zombieland“ mitgespielt hat. In der Titelrolle von „Maggie“ muss sie verletztlicher und weniger cool agieren, meistert das erwartungsgemäß ohne Probleme.

Von FSK 18 auf 16 herabgestuft

Anfangs unverständlicherweise mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren versehen, wurde „Maggie“ später auf FSK 16 heruntergestuft, was völlig ausreicht. Action ist Mangelware, der Body Count so gering wie kaum einmal in einem Zombiefilm. Stattdessen dominieren bedächtige, bisweilen beinahe statische Einstellungen mit herabgesetzter Farbsättigung, nur wenige Untote treten in Erscheinung. Kein Wunder, dass sich viele Genrefans von „Maggie“ enttäuscht zeigen. Auf plakative Zombie-Action hoffenden Filmguckern entgeht aber eine gerade wegen des Verzichts auf die üblichen Elemente und Motive außergewöhnliche kleine Perle. Zwar erlebt hier auch die Welt eine Tragödie riesigen Ausmaßes, „Maggie“ bricht das jedoch auf eine bewegende Vater-Tochter-Geschichte herunter, die ohne apokalyptische Sequenzen und Zombiehorden auskommt. Schön, wenn ein für ausgelutscht gehaltenes Subgenre ab und zu doch noch neue Facetten hervorbringen kann.

Vom Arzt holt sich Wade Rat

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Abigail Breslin haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Arnold Schwarzenegger unter Schauspieler.

Kann er seine Tochter Maggie schützen?

Veröffentlichung: 27. Mai 2016 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), 28. August 2015 als Blu-ray im limitierten Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Maggie
USA/CH 2015
Regie: Henry Hobson
Drehbuch: John Scott 3
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, Joely Richardson, Douglas M. Griffin, J. D. Evermore, Rachel Whitman Groves, Jodie Moore, Bryce Romero, Raeden Greer, Aiden Flowers
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Henry Hobson, Making Maggie: Behind the Scenes (18 Min.), Interviews mit Henry Hobson und Arnold Schwarzenegger (28 Min.), Originaltrailer, Trailershow, nur Mediabook: 12-seitiges Booklet
Label: splendid film
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © splendid film

 
 

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Running Man – Wann ist unsere Gesellschaft so weit?

The Running Man

Von Volker Schönenberger

SF-Action // In den 80er-Jahren lag 2017 noch in ferner Zukunft. „Running Man“ geht von der Vorstellung aus, dass in jenem Jahr die Weltwirtschaft kollabiert ist, was zu einer enormen Verknappung von Nahrung, Rohstoffen und Erdöl geführt hat. Wir befinden uns in einem mit harter Hand geführten Polizeistaat. Das Fernsehen ist in der Hand der Obrigkeit, Kunst, Musik und Kommunikation werden zensiert. Die TV-Show „The Running Man“ hat sich zum erfolgreichsten Fernsehformat der Geschichte entwickelt. Aber es regt sich Widerstand.

Ben will Amber zwingen, ihm zur Flucht zu verhelfen

So erfahren wir es zu Beginn mittels Texteinblendungen. Die Handlung setzt mit einem Polizei-Helikopter im Einsatz ein. Als der Pilot Ben Richards (Arnold Schwarzenegger) den Befehl erhält, das Feuer auf eine Schar unbewaffneter Demonstranten auf Nahrungssuche zu eröffnen, verweigert er das, was ihm schnurstracks die Deportation in ein Arbeitslager einbringt. Dessen Insassen tragen Halsbänder, die im Falle einer Flucht detonieren. Dennoch gelingt Richards mit ein paar anderen Häftlingen das Entkommen, darunter die Widerstandskämpfer William Laughlin (Yaphet Kotto) und Harold Weiss (Marvin J. McIntyre). Weil Ben nur überleben will, lehnt er es ab, sich dem Widerstand anzuschließen.

Schlächter von Bakersfield wird Kandidat bei „The Running Man“

Bemerkenswert: Als die TV-Komponistin Amber Mendez (Maria Conchita Alonso) ihre Wohnung betritt, lässt sie per Sprachsteuerung das Licht angehen und sich Toast und Kaffee bereiten. Dort sind wir heute ja schon fast, Alexa anyone? Jedenfalls ist Amber gerade erst in die Wohnung gezogen – sie gehörte Bens Bruder, der allerdings ohne Bens Wissen zur „Umerziehung“ deportiert wurde. Der wollte mit seiner Hilfe das Land verlassen, nun zwingt er Amber, ihm zu helfen. Doch sie überlistet ihn, Ben wird gefangen genommen. Er gilt als „Schlächter von Bakersfield“, weil ihm das Massaker an der Menschenmenge in die Schuhe geschoben wurde, dessen Ausführung er verweigert hatte. Der gewissenlose Produzent und Moderator Damon Killian (Richard Dawson) nötigt ihn zur Teilnahme an „The Running Man“.

Stattdessen landet er in der Show von Damon Killian

Unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichte Stephen King 1982 seinen Roman „Menschenjagd“, der im Original „The Running Man“ betitelt ist. Als Executive Producer Rob Cohen die Filmrechte erwarb, wusste er angeblich nicht, dass sich hinter Bachman tatsächlich King verbarg. Ob Horror-Großmeister King den deutschen Fernsehfilm „Das Millionenspiel“ von 1970 je gesehen hat? Nach einem Drehbuch von Wolfgang Menge inszeniert, dreht sich die Handlung um die titelgebende Fernsehshow, in der ein Kandidat eine Woche lang von Auftragsmördern gejagt wird. Einer davon: ein gewisser Dieter Hallervorden. Als Moderator tritt Dieter Thomas Heck auf, die echten Journalisten Arnim Basche, Werner Sonne und Heribert Faßbender spielen Reporter, die Journalistin Gisela Marx eine Reporterin. „Das Millionenspiel“ ist unbedingt ebenfalls die Sichtung wert.

Paul Michael Glaser, in der Rolle des Starsky in der TV-Serie „Starsky & Hutch“ auch hierzulande bekannt geworden, übernahm für die Verfilmung den Regiestuhl, war allerdings alles andere als erste Wahl. Vordergründig reduziert Glasers „Running Man“-Adaption den gesellschaftskritischen Aspekt der Vorlage zugunsten plakativer Action, wie sie in den 80ern üblich war und die Genrefans auch heute noch in Ehren halten. Wer genau hinschaut, entdeckt aber problemlos den dystopischen Subtext. Klar, noch sind wir nicht bei TV-Shows mit realen Menschenjagden, aber das Niveau heutiger Fernsehshows bewegt sich in diese Richtung. Und angesichts der offenbar steigenden Gaffer-Problematik bei Verkehrsunfällen und anderen tragischen Ereignissen in der Öffentlichkeit erscheint ein Pöbel wie das begeisterte Publikum im „The Running Man“-Saal nicht unwahrscheinlich.

I’ll be back!

Arnold Schwarzenegger gibt wie üblich kernige Einzeiler zum Besten, sogar sein legendäres I’ll be back! aus dem drei Jahre älteren „Terminator“ darf er recyclen. So macht man aus der Not begrenzter Fähigkeiten eine Tugend. Weitere interessante Personalien: Mick Fleetwood, Gründungsmitglied und Schlagzeuger von Fleetwood Mac, ist als Widerstandskämpfer Mic zu sehen, die Rolle soll womöglich sogar er selbst sein. Frank Zappas Sohn Dweezil spielt ebenfalls einen Revolutionär. Richard Dawson war tatsächlich ein beliebter Show-Moderator. Für „Family Feud“, Vorbild der deutschen Show „Familien-Duell“, erhielt er einen Emmy. Maria Conchita Alonso wirkte kurz nach „Running Man“ an der Seite von Robert Duvall und Sean Penn in Dennis Hoppers „Colors – Farben der Gewalt“ mit. 2012 rekrutierte Rob Zombie sie für „The Lords of Salem“.

Dort wollen ihm mächtige Jäger an den Kragen

Visuell kann „Running Man“ die 80er nicht leugnen. Es lässt mich immer wieder schmunzeln, wie sich die Macher von Science-Fiction-Filmen jener Dekade die Zukunft vorstellten. Allein schon die Frisuren und Klamotten! Und das Fernsehballett! Mehr 80er geht nicht. Der Synthie-Score und die visuellen Spezialeffekte tragen dazu bei. Manchen mag das als schlecht gealtert erscheinen, aber wer wie ich damals Teenager war und all diese Actionfilme im Kino gesehen oder sich in der Videothek ausgeliehen und mit Kumpeln und Bier geschaut hat, freut sich auch heute noch daran. Als Arnold Schwarzenegger 2003 zur Gouverneurswahl von Kalifornien antrat, reiste er zu seinen Wahlkampfauftritten mit einem Bus, den er „The Running Man“ nannte.

Ähnlichkeiten mit „Total Recall“

„Running Man“ erinnert nicht nur wegen Arnold Schwarzenegger an Paul Verhoevens drei Jahre später entstandenes SF-Spektakel „Total Recall – Die totale Erinnerung“. Das gefällt mir vielleicht noch einen Hauch besser, aber die Richard-Bachman-Verfilmung hat bei meiner Sichtung anlässlich dieser Rezension dazugewonnen. Die vorherige liegt ewig zurück, es wurde mal wieder Zeit.

Auch „Running Man“ durfte vom Index runter

Der Film teilt das Schicksal vieler zeitgenössischer Produktionen: Er wurde 1989 indiziert und 2014 turnusmäßig nach einem Vierteljahrhundert von der Liste der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gestrichen. Im Fernsehen häufig verstümmelt ausgestrahlt, gab es über die Jahre aber ausreichend DVD-Veröffentlichungen der ungeschnittenen Fassung, wenn auch in teils suboptimaler Qualität. Dem hat capelight pictures 2018 mit einem Rundumschlag abgeholfen. Der geneigte Sammler darf sich aus diversen Editionen diejenige seiner Wahl aussuchen oder bei ausreichend Budget alle Versionen ins Regal stellen – Auflistung siehe unten. Mein Favorit: das Mediabook mit Blu-ray und DVD inklusive einer weiteren Blu-ray mit umfangreichem Bonusmaterial sowie dem Soundtrack auf CD. An der Bild- und Tonqualität gibt es für meinen Geschmack nichts zu mäkeln, das fette Booklet enthält einen erwartungsgemäß fachkundigen Text von Nando Rohner sowie Konzept- und Storyboard-Zeichnungen zum Film. Nando steuert einige Hintergrundinformationen bei, darunter zum plötzlichen Wechsel auf dem Regiestuhl, von dem Arnold Schwarzenegger alles andere als begeistert war. „Running Man“ war dann auch an den Kinokassen weniger Erfolg beschieden, als es sich Schwarzenegger erhofft hatte – immerhin war der Österreicher damals auf der Höhe seines Ruhms als Filmstar. Heute kann sich Arnold Schwarzenegger über den Ruf des Films nicht beklagen. „Running Man“ hat über die Jahre seine Fangemeinde um sich geschart und steht in seiner Filmografie durchaus auf einer Stufe mit Klassikern wie „Total Recall – Die totale Erinnerung“, „Predator“ und „Phantom Kommando“. An den ikonischen Status der „Terminator“-Filme kommen sie alle natürlich nicht heran, aber das gilt ja für viele Action-Klassiker mit anderen Topstars.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Arnold Schwarzenegger sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Veröffentlichung: 28. Juni 2019 als Doppel-Blu-ray und Blu-ray, 14. Dezember 2018 als Limited 4-Disc Edition Mediabook (2 Blu-rays, DVD & Soundtrack-CD), Retro VHS-Edition Blu-ray (limitiert auf 3.000 Exemplare), Blu-ray im Steelbook und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Running Man
USA 1987
Regie: Paul Michael Glaser,
Drehbuch: Steven E. de Souza, nach einem Roman von Stephen King alias Richard Bachman
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, Maria Conchita Alonso, Yaphet Kotto, Jim Brown, Jesse Ventura, Erland van Lidth, Marvin J. McIntyre, Gus Rethwisch, Mick Fleetwood, Professor Toru Tanaka, Dweezil Zappa, Richard Dawson, Karen Leigh Hopkins
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Paul M. Glaser und Produzent Tim Zinnemann, Audiokommentar vom ausführenden Produzenten Rob Cohen, „Running On Empty“ (Interview mit Robert Grasmere über die visuellen Effekte in „Running Man“), „Back to Bachman“ (Interview mit Drehbuchautor Steven E. de Souza), „Muscular Memories“ (Interview mit Susan Jeffords über den Actionfilm-Boom der Achtzigerjahre), „The Sound of The Running Man“ (Gespräch mit Harold Faltermeyer), „Lockdown on Main Street“ (über die Bürgerrechte in den USA seit dem 11. September 2001), „The Game Theory“ (über die Dystopie in „Running Man“ zur Gegenwart des Reality-TVs), nur Mediabook: Booklet mit einem Text von Nando Rohner
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2018 capelight pictures

 
 

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