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John Carpenter (XIV): Das Ding aus einer anderen Welt – Das Monströse par excellence

The Thing

Gastrezension von Stefan Jung

Die ersten sechs Absätze des folgenden Textes erschienen erstmals 2012 für das Magazin „Schnitt“. Der gesamte Text enthält zudem massive Spoiler und sollte erst nach der ersten Sichtung des Films gelesen werden. Wer sich spoilerfrei über die 2019er-Neuveröffentlichung informieren will, scrolle zum Abschnitt „Die limitierte Deluxe Edition von Turbine“.

SF-Horror-Action // John Carpenters Interpretation der frühen Body-Snatcher-Novel „Who Goes There?“ von J. W. Campbell Jr. zählt zu den stilsichersten und spannendsten Science-Fiction-Werken der Filmgeschichte. Bis heute wird seine gelungene Verbindung aus psychischem und körperlichem Horror leider häufig missverstanden und immer noch kontrovers diskutiert. Von Ursache und (Wechsel-)Wirkung.

Das Ding aus einer anderen Welt“ („The Thing“) kam 1982 weltweit in die Kinos – und floppte. Das war zu einer Zeit, als alle Welt „E.T.“-verseucht dem schroffen, apokalyptisch geprägten Science-Fiction-Kino den Rücken zuwendete. „Blade Runner“ war, fast zeitgleich, auch ein solcher programmatischer Flop. Carpenter indes schuf, erkennbar von Ridley Scotts „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ („Alien“, 1979) geprägt, das Monströse par excellence: die Geschichte um eine kleine Forschergruppe in der Antarktis, denen das außerirdische Grauen in Form eines Gestaltwandlers begegnet. Ein zunächst nicht identifizierbares Ding, das unberechenbar und asexuell motiviert, jedoch mit der größtmöglichen Körperlichkeit in menschliche Hüllen schlüpft und zum Synonym des Persönlichkeitsverlusts stilisiert wird.

1983 auf den Index, 2009 wieder runter

Der Begriff des „shape shifter“ aus der literarischen Vorlage wird in Carpenters Version in allen nur denkbaren Varianten visualisiert. Dagegen sieht die erste, von Christian Nyby inszenierte Verfilmung des Stoffs (Produzent Howard Hawks legte ohne Credits ebenfalls Regisseurs-Hand an) von 1951 wie eindimensionales, farbloses Puppentheater aus. Und genau hier befinden wir uns an dem Punkt, wo die Meinungen auseinandergehen, entscheidend bleibt die Richtung der Argumentationslinie. Betrachtet man Carpenters Werk als „Ausstellungsstück für die verblüffenden Möglichkeiten der Trick- und Spezialtechniken des modernen Hollywoodkinos“ (Lexikon des internationalen Films), nimmt dies dem Film sofort die narrative und figurative Essenz, untergräbt mit einem Satz all dessen filmische Qualitäten. Nimmt man diesen Satz aber als absoluten Gegenpol zur eigenen, fan-basierten Betrachtungsweise, hebt man den Film vorsichtig, aber bewusst auf ein revanchistisches Niveau, bei dem über kurz oder lang auch die alte Zensurdebatte in den Vordergrund rückt. Fakt ist: „Das Ding aus einer anderen Welt“ wurde nach seinem Erscheinen auf dem deutschen Videomarkt 1983 auf den Index für jugendgefährdende Medien gesetzt und hat sich im Laufe der folgenden Jahre bei einem nicht zu verachtenden Genrepublikum als Kultfilm etabliert. Nach einer Neuprüfung hat der Film 2009 in Deutschland sogar eine Jugendfreigabe ab 16 Jahren erhalten, und angesichts dessen verwundert es kaum, dass einige Filmreihen wie beispielsweise Hard:line in Regensburg es sich zur Aufgabe gemacht haben, jene medienhistorische Debatte noch einmal aufzugreifen. Das ist auch gut so.

John Carpenters erste Großproduktion

„Das Ding aus einer anderen Welt“ kam aber schon 1982 in die Kinos, noch bevor er die Jugendschützer auf den Plan rief. Er stellt einen markanten Wendepunkt in der Karriere Carpenters dar, für den er sich mit 15 Millionen US-Dollar als erste hochbudgetierte Produktion gestaltete. Und selbst wenn ein Großteil dieses Budgets in die rabiat konstruierten Splattereffekte von Make-up-Artist Rob Bottin floss, bleibt eine filmspezifische Tatsache von Beginn an unübersehbar: Carpenter konnte mit der für ihn typischen Sichtweise auf zunächst verborgene Objekte (und Subjekte) dem Horrorstoff einige interessante Nuancen abgewinnen. Die Forschungsstation am Südpol wirkt in ihrer Abgeschiedenheit wie der lebensfeindlichste Ort der Welt. Beispielhaft werden hier Korridore und Zimmer als ausweglose Orte inszeniert, die dem Film bis ins Detail eine klaustrophobische und beklemmende Stimmung verleihen. Lange Einstellungen und ruhige Bewegungen der Protagonisten werden gezielt eingefangen, sie dienen dazu, der erzählten Geschichte um Misstrauen und Angst enorme Proportionen zu geben. Es ist jene endzeitliche Vision einer Welt, die schon in „Assault – Anschlag bei Nacht“ („Assault on Precinct 13“, 1976) und „Die Klapperschlange“ („Escape from New York“, 1981) Eingang gefunden hatte und Carpenter in Verbindung mit seiner gleichnamigen Regiearbeit den Spitznamen „Fürst der Dunkelheit“ eingebracht hat. Nicht zu Unrecht, wenn man sein Gesamtwerk im Kontext betrachtet. Im Fall von „Das Ding aus einer anderen Welt“ sind es eben nicht primär die expressiven Spezialeffekte über Verstümmelung und Morphologie, auch wenn sie einen wichtigen Bestandteil des Films ausmachen.

Tragend für die beklemmende Stimmung des Films bleibt Carpenters Gespür für Suspense, was er in Anlehnung an sein großes Vorbild Alfred Hitchcock geradezu meisterlich in Szene setzt. Exemplarisch stehen hierfür bereits die ersten 30 Minuten des Films, in denen uns die Charaktere vorgestellt und Panik und Terror herangezüchtet werden. Keine einzige Sekunde wird mit unnötigem Ballast verschwendet, wir sehen das, was wir sehen sollen. Auch wenn die stark fiktionale Geschichte einiger Dialogsätze bedarf, vollzieht sich der Kern des Films in exakt durchkomponierten Bildfolgen, die mit genau gesetzten Abblenden wie ein bedrohlich-rhythmisierter Atem funktionieren und dem Zuschauer jenes reizende Unwohlsein vermitteln, auf welches das sonst so unweigerliche Kotzen folgt.

Markstein des „Body Horror“

„Das Ding aus einer anderen Welt“ wurde häufig im Kontext der für die 1980er-Jahre typischen Oberflächen-Ästhetik als Markstein des „Body Horror“ diskutiert. Während das mit Testosteron vollgepumpte Actionkino jenes Jahrzehnts erst noch richtig Fahrt aufnehmen sollte, dekonstruierte Carpenter in seinem Werk bereits systematisch den (männlichen) Körper im Kino. Zugleich dringen wir zum Kern des Films vor: Wandlungsformen werden konsequent durchdekliniert, von innen nach außen und wieder zurück. Das Panoptikum der Verstümmelung und Deformation lässt sich keineswegs als Showeinlage oder losgelöst von der psychologisch motivierten Handlung betrachten. Der Film in seiner völligen Gesamtheit erzählt eine überaus verstörende Geschichte über innere und äußere Deformationen. Angst essen Seele – und Körper – auf. Ein zeitloser Klassiker, der die berühmte Erstverfilmung qualitativ weit übertrumpft.

Infektionsverlauf

Den „big fans“ und aufmerksamen Zuschauern unter uns, die John Carpenters „The Thing“ ähnlich wie ich wohl mindestens fünf- bis zehnmal geschaut haben, könnte der grundlegende Infektionsverlauf bei den einzelnen Protagonisten klar sein. Besonders im Spiel einer Nebenfigur bot auch die x-te Sichtung hinsichtlich dieses Aspekts – eben jene genaue Bestimmung von Krankheitsbefall und Mutationen – einen zusätzlich spannenden Faktor. Aber lest selbst.

Das Hund-Ding bricht aus

Die erste sichtbare Infektion eines Crew-Mitglieds (Bennings, 47. Minute, mit sofortiger Verbrennung) sowie der erste spektakuläre Ausbruch des Hund-Dings (29. Min., mit teilweiser Flucht) dürfte hinreichend bekannt, da ersichtlich sein. Meine Lieblingsstelle von „Das Ding aus einer anderen Welt“ hingegen war schon immer jene Szene, in welcher der zugelaufene Hund der norwegischen Station (11. Min.) ganz bedächtig durch die leeren Flure der Station „Outpost 31“ schleicht und nach kurzem Innehalten in ein Zimmer einbiegt, in dem man nur den Schattenriss einer Person erkennt, die sich im hinteren Teil dieses Raums zuletzt dem ankommenden Tier zuwendet (16. Min., siehe Bildausschnitt) – Abblende. Diese Person, schaut man sich den Schattenriss durch Bildwiederholung genau an, ist eindeutig Vance Norris, gespielt von Charles Hallahan. Das Spannende dabei: Norris ist aktiv bis zur 71. Minute im Film zu sehen und gilt als zurückhaltend und ausgeglichen; so ist er in seiner Unscheinbarkeit auch innerhalb der Handlungsmotivation der perfekte Träger des Monstrums. Eine klare Empfehlung: schaut euch bis zur wohl berühmtesten Spezialeffekt-Sequenz des Films, in der das Norris-Ding und mit ihm die Hölle ausbricht (74. Minute) zuvor auch das Spiel des Nebendarstellers aufmerksam an, kurze Hinweise folgen hier sogleich. Bevor jedoch die chronologisch erste Infizierung zwischen dem Hund-Ding und Norris-Ding in der 16. Minute stattfindet, sind MacReady und die beiden Doktoren Blair und Copper mit dem Helikopter bereits ausgeflogen, um nach Hinweisen auf der norwegischen Station zu suchen. Das Ding bleibt also bekanntlich mit dem Rest der Crew auf Outpost 31 zurück.

Ab der 22. Filmminute beginnt die ekelerregende Obduktion eines (letztlich noch lebenden) Norweger-Dings, das die Amerikaner mit auf ihren Stützpunkt gebracht haben. Bei dieser Sequenz ist zunächst auffällig: das sichtlich noch warme Menschen-Ding dampft, möglicherweise verteilen sich dadurch Substanzen des Halbkadavers über die Luft in die Atemwege der umstehenden Forscher – viele halten sich, als die Kamera die Personen in einer langsam kreisenden Fahrt erfasst, die Hand ins Gesicht (MacReady beispielsweise eindeutig nicht, seine Hand bleibt sichtbar am Körper, während er seine umstehenden Kollegen aufmerksam mustert). Tatsächlich jedoch erfolgt keine Infektion über den Luftweg. Das Ding muss über Blut mit dem Körper des Wirtsorganismus in Kontakt treten, wie auch wenig später im Film erklärt wird.

Das Norris-Ding

Das Verhalten des Norris-Dings bleibt bis zum erwähnten Ausbruch in Minute 74 sehr spannend und sagt so einiges über Taktik und Verhaltensmuster des Monstrums aus. So fällt auf, dass Norris derjenige ist, der MacReady und Dr. Copper in der 38. Minute zum exakten Standort des Alien-Raumschiffs führt. Gerade seine Mimik bei der erfolgreichen Sichtung des außerirdischen Transportmittels gibt wichtige Anhaltspunkte (Erleichterung, Begeisterung, vorrangig anhand seiner Augen abzulesen). Eigentlich alles weist darauf hin, dass das Norris-Ding mit dieser Expedition zunächst feststellen will, ob das Raumschiff noch vorhanden und intakt ist, um perspektivisch eine Flucht und Weiterreise zu einem anderen Planeten zu gewährleisten. Dr. Copper als drittes Mitglied sieht man in dieser Sequenz nur verhüllt, so könnte man den Eindruck gewinnen, gerade diese Figur sei verdächtig, doch die (dezente) Mimik und Gestik von Norris spricht Bände – auch ab bereits erwähnter Minute 47, als Bennings durch das noch lebende Norweger-Ding sogleich mutiert und vor versammelter Crew verbrannt wird. Einzig Norris als Infizierter hebt kurz um wenige Zentimeter die Unterarme quasi in einer kurz aufkommenden, nicht gänzlich unterdrückbaren Abwehr-Reaktion, die sich sowohl auf das vernichtende Feuer als auch auf den Tod seines Artgenossen bezieht. In Minute 59 fragt Norris als einziger genauer nach, als Dr. Copper von der Möglichkeit eines Blutserum-Tests spricht. In Minute 61 wird Norris(-Ding) von der Crew nach einem internen Zwischenfall die Waffe angeboten, um als geeignete Person für Beruhigung unter den Kollegen zu sorgen. Doch Norris-Ding lehnt diese hohe Verantwortung ab, offensichtlich, um die Aufmerksamkeit nicht weiter auf sich zu ziehen.

Auch im Folgenden vertraut MacReady Norris immer mehr Aufgaben an, da er aufgrund seiner scheinbaren Unauffälligkeit enorm vertrauenswürdig wirkt. Nachdem MacReady bei Bennings Tod sogleich Dr. Blair, Garry und Clark von den anderen separiert und diese somit verdächtigt, darf sich Blair anschließend nicht selbst das angewiesene Morphium spritzen, sondern Childs verweist als Bewacher in dieser Szene eindeutig auf Norris, der diese Aufgabe auszuführen hat. Norris infiziert dadurch Blair. Bei der Erwähnung eines möglichen Blutserum-Tests in Minute 67 lenkt einer der Infizierten – man kann nur vermuten, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens einen zweiten gibt – die Aufmerksamkeit auf MacReady, indem er im Außenbereich ein Stück von dessen Ausrüstung (mit Namen versehen) liegenlässt. In den folgenden Minuten trennt sich die Crew in großen Teilen, der Verlauf der Infektion wird zunächst unkenntlich gemacht. Jedoch werden in Minute 69 die verkohlten Überreste von Fuchs entdeckt, der sich in der Ausweglosigkeit der Lage selbst verbrannt hat. Die Auflösung der Infektion am Beispiel Norris-Ding wird ab Minute 71 gegeben, als sich Norris kurz vor Schmerzen zusammenkrümmt und ein baldiger Ausbruch des Dings angekündigt wird. Drei Minuten später folgt die bereits erwähnte Szene.

Ab Minute 80 folgt der entscheidende Blutserum-Test, wonach Windows, MacReady, Dr. Copper und Clark als gesund hervorgehen – Clark ist zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits tot, hat ihn doch MacReady in Notwehr erschossen. Nach der ultimativen Schocksequenz in Minute 74, als das Norris-Ding ausbrach und vollständig verbrannt wurde, folgt die nächste mit der Enthüllung, dass auch Palmer bereits infiziert war. Das Blut des Palmer-Dings dehnt sich bei Kontakt mit dem heißen Draht explosionsartig aus, sogleich bricht das Ding grauenvoll aus Palmers Körper aus, verbindet sich grotesk mit dem von Windows, der soeben noch als gesund deklariert wurde, anschließend werden beide durch Feuer vernichtet. Fraglich bleibt, wann genau Palmer infiziert wurde. Einzig eine Einstellung, in der Palmer direkt neben Norris zu sehen ist (72. Min.) weist darauf hin oder etwa der Spruch Palmers, MacReady wüsste schon, was zu tun ist (bei dessen erster Expedition in Minute 14) und dem unmittelbaren Kameraschwenk auf das noch nicht ausgebrochene Hund-Ding.

Flucht durch den gefrorenen Boden

Der weitere Verlauf ist zügig und nicht mehr ganz eindeutig, denn nun zieht auch das Erzähltempo samt Action straff an. In den Minuten 86 bis 87 wird noch festgestellt, Nauls, Childs und Garry seien gesund. Ab Minute 89 ist dann klar, dass Dr. Blair infiziert ist, der aus seiner Sicherheitsverwahrung in der Außenhütte ausgebrochen ist – und das unterirdisch durch den gefrorenen Boden, was nur einem Ding-Monstrum zuzurechnen ist. Auch wird in der Folge der konkrete Fluchtversuch des Dings thematisiert. In Minute 95 trennen sich zuletzt MacReady, Nauls und Garry. Der infizierte und bereits auf der Flucht befindliche Dr. Blair verschmilzt in Minute 96 schließlich physisch mit Garry. Eine Minute später ist Nauls zu sehen, wie er bedächtig in das tiefe Innere des Generator-Unterbaus schreitet und eine Einstellung später verschwunden ist. MacReadys Frage nach dem Stand der Dinge bleibt unbeantwortet, daraufhin wird er mit einem enorm gewachsenen, nicht mehr genau identifizierbaren Mensch-Hund-Ding konfrontiert und sprengt das gesamte Lager in die Luft.

Zuletzt treffen sich Childs und MacReady, wobei nicht mehr klar ist ob Childs nunmehr ebenfalls infiziert ist. Er sagt, er hätte versucht, Blair zu folgen, aber der Schneesturm hat ihm den Weg abgeschnitten. Die beiden sitzen höchst apokalyptisch die Stimmung aus und beschließen, einfach zu warten. Unklar bleibt indes, was genau mit Nauls passiert ist. Entweder starb er bei der Explosion oder ihm gelang die Flucht. Mit dem Ding in Kontakt kam er zuletzt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit.

Die limitierte Deluxe Edition von Turbine

Turbine Medien haben mit der aktuellen Deluxe Edition zu „The Thing“ nur kurze Zeit nach ihrer „Psycho Legacy Collection“ einmal mehr den bestmöglichen Maßstab für Heimkinomedien hierzulande geliefert – weltweit darf diese Box nun als die definitive Veröffentlichung gelten, umfangreicher und höher in Qualität, als alle zuvor. In Zeiten stetig sinkender Angebotsvielfalt und Vernachlässigung der Wertlegung auf fundiertes, reflektiertes Bonusmaterial kommt das einem weiteren Befreiungsschlag gleich. Bereits vor Release gibt es nur noch bedingtes (Rest-)Kontingent, das aber noch über den Ladenhandel mit vertrieben wird.

Zu den Details: Turbine haben den bereits erhältlichen „Dolby 5.1“-Ton zu einem echten solchen gemacht. Die bereits existierenden Spuren – auch auf den neueren Releases von Arrow und Shout Factory – wurden jeweils als Upmix präsentiert. Auch wurden ganz leichte Korrekturen von Asynchronität beseitigt sowie bisher „verschluckte“ Dialoge der deutschen Fassung wiederhergestellt. Auch der originale Stereoton wurde von Grund auf restauriert. Das Bildmaster wurde von der farbkräftigeren Arrow-Version (2018) übernommen, bei der das Originalnegativ in 4K gescannt und das fertige Bild von Kameramann Dean Cundey sowie Regisseur John Carpenter freigegeben wurde. Damit unterscheidet sich diese Fassung leicht vom bereits eindrucksvollen Bild der Shout-Factory-Blu-ray (US), bei der das Interpositiv in 2K gescannt wurde, die Farben kühler wirken und der spezifisch filmische Look (u. a. Filmkorn) anders stimmungsvoll herüberkommen.

Als Bonusmaterial hat Turbine fast sämtliche bisherigen internationalen Making-ofs, Interviews und Featurettes zusammengetragen, insgesamt knapp sieben Stunden zusätzliches Material werden geboten – die vier Audiokommentare nicht mit eingerechnet. Die erste Blu-ray gehört ganz Carpenters Film von 1982 in seiner restaurierten Pracht inklusive Audiokommentare und fünf Trailer. Die zweite Blu-ray ist bin an die letzte Rille vollgepackt mit Bonus zu Carpenters Version. Blu-ray 3 enthält das Prequel von 2011 – die Erstverfilmung aus dem Jahr 1951 ist nicht enthalten. Auf der dritten Scheibe befinden sich Features zu Carpenters Version sowie zum Prequel.

Romanvorlage von J. W. Campbell

Auch J. W. Campbells Vorlage, die Novelle „Who goes there?“ liegt der Box bei und zwar in deutscher Sprache und als hübsch aufgemachtes Büchlein in einzigartigem Design. Ebenso ist das höchst fundiert geschriebene Buch „Inside ,The Thing‘“ von Turbine-Stammautor Tobias Hohmann enthalten, der en detail die spannende Hintergrundgeschichte zu den Filmen beleuchtet. Hohmann verfasste etwa schon das „Hotelregister“, die „Psycho“-Akten zur benannten Box und beweist mit diesen und anderen Texten aus seiner Feder, wie auch Begleitzeilen zu edlen Heimkino-Editionen in optimaler Form präsentiert werden können. Da ist absoluter Mehrwert garantiert und die Freude mit und am Film wird zusätzlich gesteigert. Als letztes Juwel – neben Faltpostern, Artcards, einem „Outpost 31“-Aufnähmer und vielem mehr – hält der Sammler zufrieden Ennio Morricones Original-Soundtrack zum 1982er-„Thing“ auf Compact Disc in den Händen. Dieser war lange vergriffen und wird bislang zu Mondpreisen auf Börsen gehandelt.

Insgesamt ist diese Edition eine absolute Empfehlung, ein Muss für jeden Sammler. Die 60 Euro Kaufpreis (UVP) sind mehr als gerechtfertigt. Die Box kommt in zwei Covervarianten, einmal im „klassischen Design“ und einmal im „modernen Design“.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Kurt Russell in der Rubrik Schauspieler. Zur Rezension von Dirk Ottelübbert geht’s auch hier.

Veröffentlichung: 28. März 2019 als Limited 4-Disc Deluxe Edition (3 Blu-rays & Soundtrack-CD) im Digipack-Schuber mit zwei verschiedenen Designs (klassisch: Kinomotiv von Drew Struzan, auf 3.000 Exemplare limitiert und nummeriert, Schuber mit UK-Motiv, modern: neues Artwork von Christopher Shy, auf 2.000 Exemplare limitiert und nummeriert, Schuber mit seltenem Struzan-Motiv in Schwarz-Weiß), 4. März 2010 als Blu-ray und DVD

Länge: 109 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch, Koreanisch, Schwedisch, Dänisch, Finnisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Mandarin
Originaltitel: The Thing
USA 1982
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Bill Lancaster, nach der Kurzgeschichte „Who Goes There?“ von John W. Campbell, jr.
Besetzung: Kurt Russell, Wilford Brimley, Keith David. T. K. Carter, David Clennon, Richard Dysart, Peter Maloney
Zusatzmaterial 2019: 5 Kino-Trailer, TV- & Radio-Spots, 4 Audiokommentare (:John Carpenter & Kurt Russell, Kameramann Dean Cundey, Koproduzent Stuart Cohen sowie Todd Cameron von Outpost31.com), 3 Dokumentationen („Der Terror nimmt Gestalt an“, 86 Min., „Die Männer von Outpost 31“ in HD, 51 Min., „Die Effekte von ,The Thing‘“ in HD, 25. Min., 4 Interviews („Requiem eines Regisseurs“ mit John Carpenter in HD, 29 Min., „Montage und Anpassung“ mit Cutter Todd Ramsay in HD, 11 Min., „Formwandlung des Drehbuchs“ mit Schriftsteller Alan Dean Foster in HD, 16 Min., „Klangbilder der Kälte“ mit Sound-Gestalter David Lewis Yewdall & Alan Howarth in HD, 15 Min.), Archivmaterial („Fear on Film“ von 1982, Gespräch mit John Carpenter, John Landis & David Cronenberg, 26 Min., Storyboard-Film-Vergleich in HD, 8 Min., nicht verwendete Szenen, 6 Min., Trailers from Hell, 2 x 3 Min., Promo-Clip-Tape,13 Min., US-TV-Version in 4:3, 94 Min., „The Making of ,The Thing‘“, 9 Min., „The Making of a Chilling Tale“, 5 Min., Hinter den Kulissen, 2 Min., Die Untertasse, 2 Min., Promo-Szenen-Tape, 20 Min., umfangreiches Text- und Bild-Archiv in englischer Sprache)
Zusatzmaterial 2019, Blu-ray 3: „The Thing“ – das Prequel von 2011 mit u. a. deutschem und englischem Ton sowie u. a. deutschen und englischen Untertiteln, dazu unveröffentlichte und erweiterte Szenen (HD, 9 Min.), Making-of „,The Thing‘ entwickelt sich“ (HD, 14 Min.), Featurette „Feuer und Eis“ (HD, 5 Min.), Audiokommentar von Regisseur Matthijs van Heijningen und Produzent Eric Newman
Zusatzmaterial 2019, CD: Soundtrack von Ennio Morricone und John Carpenter
Physisches Zusatzmaterial 2019: Buch zum Film (Produktionsgeschichte und Folgen des Films, 136 Seiten mit vielen, teils seltenen Bildern), John W. Campbells Literaturvorlage von 1938 (76 Seiten), Fan-Items (Filmposter, Artcard-Set, hochwertig gestickter „Outpost 31“-Aufnäher)

Zusatzmaterial 2010: Audiokommentar mit Regisseur John Carpenter und Kurt Russell, „Der Terror nimmt Gestalt an“, Produktionshintergrund, Besetzung, Produktion, Fotogalerie, Storyboards, Drehort-Design, Produktionsarchive, Die Untertasse, Das Blair-Monster, verpatzte Szenen, Post-Produktion, Original Kinotrailer
Label/Vertrieb 2019: Turbine Media Group
Label/Vertrieb 2010: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2019 by Stefan Jung

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Turbine Media Group

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Horror für Halloween (VII): Halloween – Willkommen zurück, Laurie und Michael!

Halloween

Kinostart: 25. Oktober 2018

Von Andreas Eckenfels

Horror // Vor 40 Jahren ließ John Carpenter das „reine Böse“ in Form des Serienkillers Michael Myers von der Leine. Der stumme Mann mit der weißen Maske und auch das „Final Girl“ Laurie Strode, dargestellt von Jamie Lee Curtis, wurden durch den unerwarteten Kassenerfolg des Low-Budget-Slashers zu Ikonen des Horrorfilms. Pünktlich zum Jubiläum von „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978) versucht nun das Trio David Gordon Green, Danny McBride und Jeff Fradley mit einem Neustart dem „Halloween“-Franchise neues Leben einzuhauchen. Die Geschehnisse der sieben Fortsetzungen sowie der zwei Rob-Zombie-Teile lassen sie dabei außer Acht. Ihre Laurie Strode ist auch nicht die Schwester von Michael Myers, wie es in „Halloween 2 – Das Grauen kehrt zurück“ (1981) verkündet wurde. Die Filmemacher starten eine komplett neue Zeitlinie für die Horror-Reihe, welche nur den Originalfilm von 1978 zur Grundlage hat.

40 Jahre später

Knapp 40 Jahre, nachdem Michael Myers (James Jude Courtney) in der Halloween-Nacht in seiner Heimatstadt Haddonfield ein Blutbad anrichtete, sitzt der Killer noch immer in einer psychiatrischen Anstalt in Sicherheitsverwahrung. In dieser Zeit hat er kein Wort gesprochen. Dies erklärt sein behandelnder Arzt Dr. Sartain (Haluk Bilginer) auch den britischen Dokumentarfilmern Dana (Rhian Rees) und Aaron (Jefferson Hall), die zum nahenden Jahrestag eine Geschichte über die wahren Hintergründe der Babysitter-Morde auf ihrem Vlog veröffentlichen wollen. Doch auch das Vorzeigen der alten Gummimaske, mit der Michael Myers seine Taten beging, ruft bei dem Psychopathen keinerlei offensichtliche Regung hervor – oder?

Laurie Strode (M.) hat ihr Trauma noch nicht verarbeitet

Dank einer finanziellen Aufwandsentschädigung erweist sich der Besuch bei Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) für Dana und Aaron etwas erfolgreicher. Die Überlebende des damaligen Massakers lebt nach zwei gescheiterten Ehen relativ einsam und abgeschottet in einem abgelegenen Haus nahe Haddonfield. Nach einigen persönlichen Enttäuschungen mit ihr will Tochter Karen (Judy Greer) nicht mehr viel mit ihrer verrückten Mutter zu tun haben. Nur Enkelin Allyson (Andi Matichak) hält zu ihrer Großmutter regelmäßig Kontakt.

Nein, sie schreit nicht, weil das Toilettenpapier alle ist

Laurie hat die damaligen Ereignisse nicht wirklich verarbeitet. Diesmal ist sie aber unter anderem durch regelmäßiges Schusstraining auf einen weiteren Angriff von Michael Myers bestens vorbereitet. Und so kommt es, wie es kommen muss: Als der Killer in der Nacht zum 31. Oktober gemeinsam mit weiteren Insassen in eine andere Haftanstalt verlegt werden soll, verunglückt der Gefangenentransport auf offener Straße. Michael Myers gelingt die Flucht und macht sich auf dem Weg nach Haddonfield …

Scream Queen in Hamburg

Auf der Deutschland-Premiere von „Halloween“ beim Filmfest Hamburg gab sich Jamie Lee Curtis höchstpersönlich die Ehre. Als erfahrene Entertainerin präsentierte sich der Hollywood-Star gut gelaunt auf der Bühne. Wie erwartet, erzählte sie einige Anekdoten, darunter etwa, dass ihr Patenkind Jake Gyllenhaal sie davon überzeugt hatte, Regisseur David Gordon Green sei der richtige Mann für das „Halloween“-Reboot. Gyllenhaal hatte mit Green zuvor das Drama „Stronger“ (2017) gedreht. Curtis machte ordentlich Eigenwerbung für ihre Social-Media-Accounts und bedankte sich artig bei ihren zahlreichen Fans, ohne die ihre Karriere niemals möglich gewesen wäre. Ein temperamentvoller Auftritt der Scream Queen, die am 22. November 2018 ihren 60. Geburtstag feiert.

Michael Myers ist zurück in Haddonfield

Als große Fans von Jamie Lee Curtis und John Carpenters Klassiker outete sich auch das Autoren-Trio David Gordon Green, Danny McBride und Jeff Fradley. Alle drei konnten bislang keine Referenzen im Horrorgenre vorweisen. Sie sind mehr im Comedy-Bereich zuhause, bevorzugt in Kifferkomödien. In einigen gemeinsamen Projekten wie „Ananas Express“ (2008), „Your Highness – Schwerter, Joints und scharfe Bräute“ (2011) oder zuletzt der TV-Serie „Vice Principals“ stand Danny McBride auch häufig als Darsteller vor der Kamera. Regisseur David Gordon Green konnte sich dagegen auch schon mit einigen interessanten Charakterstudien wie „George Washington“ (2000), „Joe – Die Rache ist sein“ (2013) mit Nicolas Cage oder „Die Wahlkämpferin“ (2015) mit Sandra Bullock hervortun.

Die Männer hinter der Maske

Die Skepsis aufgrund der fehlenden Horror-Erfahrung des Trios verfliegt zum Glück gleich in den ersten Minuten. Die bedrohliche Aura, die Michael Myers auf dem Gefängnishof umhüllt, sorgt nicht nur bei seinen Mithäftlingen für Schrecken. Auch im weiteren Verlauf, wenn Michael Myers seinem blutigen Handwerk nachgeht, tut er dies so gefühlskalt und gnadenlos, wie es dieser Horrorikone gebührt. Diesem Psychopathen will man wahrlich weder im Hellen noch im Dunklen begegnen. Nick Castle, Myers-Darsteller im Original, fungierte am Set als „spiritueller Berater“. Er hat einen Gastauftritt als Michael Myers, aber ansonsten ist Stuntman und Schauspieler James Jude Courtney der Mann hinter der Maske.

Mutter Laurie und Tochter Karen (l.) wissen …

Regisseur Green tat außerdem gut daran, wieder dazu zurückzukehren, das wahre Gesicht des Killers nur schemenhaft zu zeigen: „Es gibt einige Situationen, in denen wir seine Silhouette sehen. Er ist unmaskiert, aber wir versuchen, seine Persönlichkeit nicht zu enthüllen. Ich möchte nichts über Michael Myers wissen. Ich möchte keinerlei Sympathie für ihn empfinden oder den Kopf verstehen, der das Monster kreierte. Ich möchte, dass er hinter der Essenz des Bösen verschwindet.“ Damit kritisiert er auch unterschwellig die „Halloween“-Filme von Rob Zombie, der eine offenere Herangehensweise wählte und sich deshalb den Vorwurf der Entmystifizierung von Michael Myers gefallen lassen musste. Wer übrigens bezüglich der FSK-16-Freigabe seine Bedenken hat, der sei beruhigt: Es wird nichts weichgespült. Die Morde mögen nicht sonderlich kreativ sein, hart und blutig sind sie dennoch.

Michael Myers vs. Laurie Strode

Die Regeln des Slasher-Films kann und will auch das neue Autoren-Trio nicht neu erfinden. Große Überraschungen oder frische Ideen hat die Geschichte kaum zu bieten. Wie Michael Myers seine Maske zurückerhält und wie sein Ausbruch gelingt, ist zwar logisch nachvollziehbar, aber dennoch an den Haaren herbeigezogen. Auf nervige Jump-Scares wurde größtenteils verzichtet. Einige komödiantisch angehauchte Dialoge mögen fehl am Platz wirken, sorgen aber auch erfahrungsgemäß dafür, einigen Zuschauern etwas die Anspannung zu nehmen. Das geht schon in Ordnung. Alles läuft nun mal auf das hinaus, was die Fans sehen wollen: das Duell Michael Myers gegen Laurie Strode – und dieses kulminiert in einem hoch spannenden Finale.

… wer gleich vor der Tür steht

Allerdings: Laurie Strode hat diesmal mehr als einen Kleiderbügel, um sich gegen Michael Myers zu verteidigen. Ihr Charakter, großartig verkörpert von Jamie Lee Curtis, erhält hier endlich die nötige Tiefe, die er verdient. Es fühlt sich fast so an, als ob sich Green, McBride und Fradley ein wenig von der Figur der Sarah Connor aus „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ inspirieren haben lassen, die eine ähnliche Wandlung durchgemacht hat. Wie Sarah Connor hat auch Laurie Strode mit einem Trauma aus der Vergangenheit zu kämpfen, welches sie noch immer nicht überwunden hat. Beide wissen, dass sie die Vergangenheit früher oder später einholen wird, und sind auf den Ernstfall vorbereitet. Auch ihre Kinder haben sie jahrelang instruiert, wie sie sich verhalten müssen.

Drei Generationen

„Halloween“ (2018) erzählt somit auch eindrucksvoll davon, wie sich eine schicksalhafte Nacht auf das Leben von gleich drei Generationen auswirkt. Laurie hat sich durch ihre strikten Erziehungsmethoden und ihren Wahn zunehmend von ihrer Tochter Karen entfremdet. Enkelin Allyson sucht den Kontakt, ihre Mutter will aber nicht, dass Laurie auch noch ihre Tochter in irgendeiner Weise negativ beeinflusst. Solche interessanten Frauenfiguren findet man in einem Horrorfilm selten.

John Carpenter stand dem Projekt nicht nur als ausführender Produzent zur Seite. Gemeinsam mit seinem Sohn Cody und Patensohn Daniel Davies komponierte er auch die Filmmusik, mit Anklängen an den Originalscore, was maßgeblich zur gelungenen Atmosphäre beiträgt. Dazu hat auch Regisseur Green einige kleine, aber feine Reminiszenzen an dem 1978er-Film eingebaut. „Halloween“-Fans werden diese zu schätzen wissen und können mit diesem Neuanfang durchaus zufrieden sein. Sofern der Film erfolgreich ist, wird es sicher auch nicht erneut neun Jahre dauern, bis Michael Myers wieder das Küchenmesser schwingt. Angeblich hat das Autoren-Trio schon Pläne für mögliche Fortsetzungen in der Schublade.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet – auch Produktionsbeteiligungen. Filme mit Jamie Lee Curtis haben wir in der Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt.

Jamie Lee Curtis bei der Deutschland-Premiere im Cinemaxx Hamburg-Dammtor

Länge: 109 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Halloween
USA 2018
Regie: David Gordon Green
Drehbuch: David Gordon Green, Danny McBride, Jeff Fradley
Besetzung: Jamie Lee Curtis, Judy Greer, Andi Matichak, Nick Castle, Haluk Bilginer, Will Patton, Rhian Rees, Jefferson Hall, James Jude Courtney, Virginia Gardner
Verleih: Universal Pictures International Germany

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels (auch Filmfest-Foto)
Filmplakat & Szenenfotos: © 2018 Universal Pictures International Germany

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2018/10/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Horror für Halloween (XIV) / John Carpenter (XIII): Vampire – Splatter im Neo-Western-Gewand

Vampires

Von Simon Kyprianou

Horror // Auf dem Papier liest sich „Vampire“ hervorragend: Wunderbare Schauspieler wie James Woods, Sheryl Lee und Maximilian Schell in einem Vampir-Western-Roadmovie von John Carpenter. Ab „Die Mächte des Wahnsinns“ von 1994 muss man allerdings einen Einschnitt in Carpenters Werk machen – nach diesem Film hat er nie wieder an seine früheren Qualitäten anknüpfen können. „Vampire“ bildet da nicht unbedingt eine Ausnahme, lässt aber die Grandezza wenigstens noch erahnen, die er hätte haben können.

Die unerschrockene Schar der Vampirjäger …

Eine Kommission der katholischen Kirche unter der Leitung von Kardinal Alba (Maximilian Schell) ist dazu berufen Vampire zu töten. Der hartgesottene Jack Crow (James Woods, „Crash“) befehligt eins ihrer Einsatzkommandos. Nachdem das Team ein Vampir-Nest ausgehoben hat, feiert es ausgelassen in einem Motel, als unvermittelt der mächtige Vampir Valek (Thomas Ian Griffith) vor der Tür steht. Beinah alle der Vampirjäger fallen dem überraschenden Überfall zum Opfer. Nur Crow, sein Freund Montoya (Daniel Baldwin) und die Prostituierte Katrina (Sheryl Lee, „Twin Peaks“) überleben den Angriff, Katrina wird dabei von ihm gebissen. Valek will eine katholische Reliquie stehlen und damit ein Ritual vollziehen, das ihn unbesiegbar machen würde: Er könnte dann unbeschadet vom Sonnenlicht des Tages auf Erden wandeln. Crow schwört Rache und will Katrina als Köder benutzen: Wird ein Mensch von einem Vampir gebissen, verbinden sich deren Gedanken per Telepathie. So wollen er und Montoya Valek verfolgen.

… bekommt es mit dem mächtigen Valek zu tun

John Carpenter erzählt diesen hanebüchenen Plot mit viel Verve, aber auch viel zu ernsthaft. Es gibt keine Reflexion der Figuren, James Woods’ Charakter ist ein Macho, der die ganze Zeit über auf einem unfassbaren Gewalt-Trip ist. Katrina wird über weite Strecken entweder beschimpft oder geschlagen. Der Regisseur findet keine ironische Distanz zu den Figuren und seiner Erzählung. Dafür inszeniert er sie stellenweise mit viel Druck: Die Kämpfe gegen die Vampire sind oft sehr schön inszeniert, insbesondere die Auseinandersetzungen am Anfang und Ende. Die Figuren sind allerdings derart ironiefrei überzeichnet, dass dem Film eine Lächerlichkeit zukommt, die ihm nicht steht.

Brutaler Trip ins amerikanische Ödland

Trotzdem funktioniert er stellenweise als gewalthaltiger Trip durch die amerikanische Ödnis, als trockener, ultra-brutaler Vampir Western ganz gut. Es ist vor allem die Ahnung von der Grandezza die möglich gewesen wäre, wenn Carpenter ihn mit derselben erzählerischen Eleganz und visuellen Kraft inszeniert hätte wie seine früheren Filme. Vielleicht wäre der Film dann mehr wie eine exzessivere Version von Kathryn Bigelows großartigem Vampirfilm „Near Dark“ geworden, den ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen möchte, und der insbesondere im Double Feature mit „Vampire“ sicherlich hervorragend passt.

Sonnenlicht leistet gute Dienste

Die von Zensurschnitten freie Fassung von „Vampire“ ist in Deutschland immer noch indiziert und somit nicht frei verkäuflich, weshalb ich unten lediglich auf die veröffentlichten Cut-Fassungen hinweisen kann. Bei einer erneuten Prüfung würde der Film zweifellos eine Freigabe erhalten, wie viele über Jahre indizierte Horror-Filme nun bei einer Neuprüfung freigegeben werden: „The Texas Chainsaw Massacre“ samt Fortsetzung, „Hellraiser“, „Tanz der Teufel“ und „Re-Animator“, um nur einige zu nennen. Eine solche Freigabe würde sicherlich eine neue Veröffentlichung auf Blu-ray nach sich ziehen. Das wäre umso erfreulicher, als die vermeintliche Uncut-Fassung aufgrund eines Fehlers beim Mastering ebenfalls in einer Szene geschnitten ist, wenn auch nur kurz.

Der Blutsauger lauert Katrina auf

Auch wenn „Vampire“ Bestandteil von Carpenters problematischem Spätwerk ist, so ist er doch sehenswert, allein wegen der Ambitionen, die in ihm stecken. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme des Horror-Filmemachers sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Aus der Tagruhe erwacht

Veröffentlichung: 19. März 2015 als Blu-ray und DVD, 22. Oktober 2007 und 15. Mai 2007 als DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Vampires
USA/JAP 1998
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Don Jakoby, nach einem Roman von John Steakley
Besetzung: James Woods, Daniel Baldwin, Sheryl Lee, Maximilian Schell, Thomas Ian Griffith, Tim Guinee
Zusatzmaterial: Audiokommentar von John Carpenter, Making-of, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2017 by Simon Kyprianou

Fotos & Packshot: © 2015 Studiocanal Home Entertainment

 

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