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1917 – Im Westen was Neues

1917

Kinostart: 16. Januar 2020

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Die beiden Golden Globes für den besten Film in der Drama-Kategorie und Sam Mendes als Regisseur sind schon Hausnummern. Am 9. Februar kann „1917“ bei der Oscarverleihung mit satten zehn Nominierungen noch einen drauflegen und am Ende sogar Quentin Tarantino in die Suppe spucken: Der Gute hat zwar bereits zwei Academy Awards zu Hause, jedoch lediglich für die Drehbücher von „Pulp Fiction“ und „Django Unchained“. Das ist zwar aller Ehren wert, aber Tarantino schielt natürlich auf die Oscars für die beste Regie und den besten Film, hat „Once Upon a Time in Hollywood“ doch immerhin den Golden Globe als bester Film in der Kategorie Musical/Komödie abgeräumt. Ein heißes Rennen deutet sich also an. Und wer weiß, ob nicht noch einer der anderen Filme und Regisseure zum lachenden Dritten wird? Mendes hat den Regie-Oscar immerhin schon 2000 für „American Beauty“ erhalten, der ihm zuvor auch seinen ersten Golden Globe beschert hatte.

General Erinmore hat ein Himmelfahrtskommando zu vergeben

Bei dem Erster-Weltkriegs-Drama „1917“ handelt es sich um einen sogenannten One-Take-Movie, also einen Film, der den Eindruck erweckt, in einem Take ohne Schnitte gedreht worden zu sein. Dabei bedient sich Kameramann Roger Deakins bisweilen eines Tricks, den auch Alfred Hitchcocks Kameraleute 1948 für „Cocktail für eine Leiche“ („Rope“) angewandt hatten: eine kurze stockdunkle Einstellung. Bei Hitchcock war es beispielsweise der Rücken eines Mannes im dunklen Anzug, auf den die Kamera zielte, um aufzuzoomen, bis der gesamte Bildschirm dunkel war. Dann ein unsichtbarer Schnitt, die Kamera zoomt ab und die Handlung setzt sich fort. In „1917“ hat diese Funktion beispielsweise ein lichtloser Bunkerraum in einer der Schützengraben-Anlagen, den die Protagonisten durchschreiten. Zuständig für den Schnitt war übrigens Christopher Nolans Stamm-Cutter Lee Smith, 2018 für Nolans „Dunkirk“ mit dem Oscar für den Schnitt prämiert. Für „1917“ ist er allerdings nicht nominiert worden – vielleicht waren es der Academy einfach zu wenige Schnitte, um Smiths Arbeit als preiswürdig zu erachten.

Zweiter Oscar für Kameramann Roger Deakins?

So oder so sehe ich „1917“ als Oscar-Favoriten in der Kategorie Kamera. Inklusive „1917“ hat Roger Deakins es auf satte 15 Oscar-Nominierungen gebracht, beginnend 1995 für „Die Verurteilten“ („The Shawshank Redemption“). Doch der Stamm-Kameramann der Coen-Brüder erhielt den Academy Award erst 2018 für seine Arbeit an „Blade Runner 2049“. Nun winkt der zweite Oscar, und verdient wäre er allemal. Wenn die Kamera den beiden Lance Corporals Blake (Dean-Charles Chapman) und Schofield (George MacKay) gleich zu Beginn durch eine mit Soldaten gefüllte Schützengraben-Anlage folgt, mal hinter den beiden herschwebt, sie dann überholt und von vorn zeigt, während hinter ihnen die Soldatenmassen zu sehen sind, durch die der Kameramann eben noch hindurchgeschritten sein muss, ahnt man, welcher logistische Aufwand und welches Auge für die richtige Einstellung dahinterstecken.

Der deutsche Rückzug – ein Hinterhalt

Deakins’ Kamera hat meist die beiden Protagonisten Blake und Schofield im Fokus, die im Frühjahr 1917 an der Westfront im umkämpften Nordfrankreich zu einer lebensgefährlichen Mission abkommandiert werden: Deutsche Truppen haben sich zur sogenannten Siegfriedstellung (Hindenburg Line) zurückgezogen. In Erwartung eines leichten Siegs bereitet sich ein britisches Regiment auf die Erstürmung dieser Linie vor, doch alliierte Aufklärer haben herausgefunden, dass die Deutschen die feindliche Attacke mit ihrem Rückzug provozieren wollen und bis an die Zähne bewaffnet nur darauf warten. Dem britischen Regiment droht eine vernichtende Niederlage, der Angriff muss abgeblasen werden. Doch weil die Kommunikationskanäle unterbrochen sind, müssen Kuriere die Nachricht zu Fuß überbringen – und da kommen Blake und Schofield ins Spiel. Die Zeit drängt, sie brechen umgehend auf. Ein Fußmarsch durch Tod und Verwüstung erwartet das Duo.

Also ziehen Blake (l.) und Schofield los

Zu Beginn ganz ohne kriegerische Handlungen und Gefechte auskommend, gelingt Sam Mendes schon mit den ersten Schritten der beiden Soldaten aus dem Schützengraben hinein ins Niemandsland zwischen den britischen und deutschen Linien eine heftige Antikriegsbotschaft. Blake und Schofield robben sich durch den Schlamm, versuchen Krater zur Deckung zu nutzen, in denen tote Soldaten in den Pfützen vor sich hin verwesen. Zur Orientierung ihres Wegs hat man sie auf einen Leichnam hingewiesen, der sich im Draht verfangen hat und an dem sie sich vorbeizwängen müssen. Das sind intensive Bilder, die die ganze Sinnlosigkeit des Krieges offenbaren.

Tod im Schützengraben

Verweise auf die Grabenkämpfe des Ersten Weltkriegs eignen sich ohnehin vorzüglich für Antikriegsappelle, waren sie doch geprägt von unter ungeheuren Opfern erzielten Raumgewinnen, die für den Ausgang des Krieges völlig bedeutungslos gerieten. Beim nächsten Gegenangriff musste man sich oft wieder zurückziehen. Nicht umsonst zählt Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ zu den großen Antikriegsromanen, Lewis Milestones 1930er-Verfilmung zu den besten Antikriegsfilmen überhaupt, und auch Delbert Manns fürs Fernsehen gedrehte zweite Adaption hat Format. Als großer Antikriegsfilm mit dem Sujet des Grabenkriegs im Ersten Weltkrieg sei auch die deutsche Produktion „Westfront 1918 – Vier von der Infanterie“ (1930) von Georg Wilhelm Pabst genannt, und Stanley Kubricks „Wege zum Ruhm“ von 1957 gehört ebenfalls in diese Aufzählung.

Durch verlassene Stellungen der Deutschen

Wird „1917“ dereinst in einem Antikriegs-Atemzug mit diesen Werken genannt werden? Die Zeit wird es zeigen, ich halte es jedenfalls für möglich, da Sam Mendes die Sinnlosigkeit des Kriegsgetümmels und die Narben, die es bei den Menschen und in den Landschaften hinterlässt, vortrefflich visualisiert. Die Set- und Produktionsdesigner haben ganze Arbeit geleistet, ob in den Schützengräben, dem zerbombten Schlachtfeld oder einer in Stücke geschossenenen Ortschaft, die es zu durchqueren gilt – ein rabenschwarzer Trip, der die Eingeweide zusammenziehen lässt. Nicht umsonst fällt die bisherige Rezeption durch Filmkritik und Publikum gleichermaßen hervorragend aus, und dem schließe ich mich vorbehaltlos an.

Kann Captain Smith helfen?

Regisseur Sam Mendes und seine Ko-Drehbuchautorin Krysty Wilson-Cairns ließen sich von ihrem jeweiligen Großvater zu „1917“ inspirieren, wie beide im Interview bekundeten. Mendes’ Großvater zog 1916 mit 17 Jahren in den Krieg und kämpfte bis zum Ende, der von Wilson-Cairns weckte bei seiner Enkelin das Interesse an historischen Ereignissen. Mendes begründete seine Entscheidung, einen One-Shot-Movie zu drehen, damit, dass das Publikum zu Beginn ohne jegliche Exposition auf die beiden Protagonisten treffe und sie somit nicht wirklich kennenlerne. Die One-Shot-Technik erlaube es den Zuschauern, mit den beiden zu leben und jeden ihrer Atemzüge mit ihnen zu atmen, die Uhr herunterticken zu sehen. Bei der Bewertung als One-Shot-Movie kann hintangestellt bleiben, dass „1917“ keineswegs in Echtzeit spielt, wie es genau genommen sein sollte. Dann würde die Handlung zwei Stunden dauern – so lang ist der Film. Die Mission der beiden Protagonisten beginnt allerdings bei Tageslicht und dauert über die Nacht hinaus bis zum nächsten Tag. Da wollen wir mal nicht so sein. Wie die im Film nicht zu sehenden Stunden überbrückt werden, will ich nicht ausführen, man könnte es als Spoiler sehen. Es handelt sich somit nicht um einen „echten“ One-Shot-Film wie beispielsweise den deutschen Thriller „Victoria“ (2015), der tatsächlich in einem einzigen Take gedreht wurde, das ändert aber nichts an der Brillanz der technischen Umsetzung. Kameramann Roger Deakins wollte im Interview nicht verraten, wie viele Schnitte genau in „1917“ enthalten sind.

Minirollen für arrivierte Stars

Wenn Sam Mendes ruft, begnügen sich auch namhafte Akteure mit Minirollen: So sehen wir Oscar-Preisträger Colin Firth („The King’s Speech – Die Rede des Königs“) zu Beginn als General Erinmore, der die beiden Lance Corporals auf das Himmelfahrtskommando schickt. Mark Strong („Kingsman – The Secret Service“) ist als Captain Smith zu sehen, der den Weg der beiden Kuriere kreuzt. Benedict Cumberbatch („Doctor Strange“) schließlich tritt als Colonel MacKenzie in Erscheinung, dem die beiden Lance Corporals die Botschaft überbringen sollen, die ihn von der Attacke abhält.

Ein zerschossener Ort ist zu durchqueren

Zuletzt hatte 2010 ein Kriegsfilm die Oscars als bester Film und für die beste Regie abgeräumt: „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ von Kathryn Bigelow. Auch das nach einer längeren Pause – 1999 war Steven Spielberg als bester Regisseur für „Der Soldat James Ryan“ prämiert worden (als bester Film wurde in jenem Jahr „Shakespeare in Love“ geehrt). Es wäre also gar nicht mal inflationär, würden die Academy Awards für den besten Film und die beste Regie 2020 an „1917“ gehen. Verdient wäre das auf jeden Fall, aber das mag auch für die Mitbewerber gelten. Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun, seien hier alle zehn Nominierungen genannt: Sam Mendes’ Werk hat Aussichten auf die Oscars als bester Film, für die beste Regie und die Kamera, dazu fürs beste Originaldrehbuch, Make-up/Hairstyling, Produktionsdesign, für die beste Musik, die besten visuellen Effekte, die Tonmischung und den Tonschnitt. Unabhängig davon, wie viele es am 9. Februar werden, hat sich „1917“ einen Status als großes Kriegsdrama und womöglich gar Antikriegsfilm redlich erarbeitet. Meisterhaft!

Immer wieder Leichen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Benedict Cumberbatch, Colin Firth und Mark Strong haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Wird die Botschaft Colonel MacKenzie rechtzeitig erreichen?

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: 1917
GB/USA 2019
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: Sam Mendes, Krysty Wilson-Cairns
Besetzung: George MacKay, Dean-Charles Chapman, Mark Strong, Andrew Scott, Richard Madden, Claire Duburcq, Colin Firth, Benedict Cumberbatch
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Universal Pictures and Storyteller Distribution Co., LLC. All rights reserved.

 

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The Kill Team – US-Killer in Afghanistan

The Kill Team

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Während des seit 2001 geführten Kriegs in Afghanistan kam es zwischen Juni 2009 und Juni 2010 zu den sogenannten Kill-Team-Morden (Maywand District Murders). Soldaten der US-Streitkräfte bildeten Killerkommandos mit dem Ziel, Afghanen zu töten – Zivilisten, die keinerlei Bedrohung darstellten.

Sergeant Deeks schwört seine Männer ein

Der US-Regisseur Dan Krauss verarbeitete die Ereignisse 2013 im Dokumentarfilm „The Kill Team“, der beim Tribeca Film Festival in Manhattan uraufgeführt wurde und dort mit dem Jury-Preis als beste Doku prämiert wurde. Sechs Jahre später inszenierte Krauss das Geschehen unter dem selben Titel nach eigenem Drehbuch als seinen bislang einzigen Spielfilm.

Der neue Sergeant

Andrew Briggman (Nat Wolff) hat sich entschieden, seinem Land als Soldat in Afghanistan zu dienen. Er tritt dabei in die Fußstapfen seines Vaters William (Rob Morrow), der ebenfalls beim Militär war. Schon kurz nach seinem Eintreffen wird sein vorgesetzter Unteroffizier durch einen Sprengsatz getötet. Ihn ersetzt Sergeant Deeks (Alexander Skarsgård), der seine Entschlossenheit bekräftigt, in der Gegend rund um den US-Stützpunkt Flintlock aufzuräumen. Briggman äußert gegenüber Deeks seinen Ehrgeiz, eine Einheit zu führen, und der Sergeant teilt ihn tatsächlich auf dem Posten ein. Doch Briggman hat Skrupel. Bei einem Einsatz stirbt ein afghanischer Zivilist. Es bleibt nicht der einzige Tote.

In einem Dorf ereignet sich Tragisches

„The Kill Team“ konzentriert sich stark auf die Beziehung zwischen Andrew Briggman und Sergeant Deeks. Letztgenannter gibt sich cool als väterlicher Boss, der mit seinen Männern durch dick und dünn geht. Dabei strahlt er eine lässige Autorität aus, der sich die einfachen Dienstgrade kaum entziehen können, während sich gleichzeitig fröstelnd erahnen lässt, wozu er fähig ist, sofern man ihm nicht folgt. Gleichzeitig folgt Deeks einer zynischen Logik, der man sich schwer entziehen kann. Bei Briggman hingegen ahnt der Zuschauer zügig dessen Skrupel, die im Widerspruch zu dem stehen, was er seinem Vorgesetzten sagt. Sowohl Nat Wolff („Death Note“) als auch Alexander Skarsgård („Legend of Tarzan“, „True Blood“) machen ihre Sache hervorragend, das Psychoduell der beiden trägt den Film über ein paar minimale Hänger hinweg. Gelegentlich hätte Dan Krauss den Spannungsbogen etwas pointierter aufbauen können, hier merkt man seine mangelnde Erfahrung mit Spielfilmen. Andererseits macht die unspektakuläre Inszenierung auch den Reiz von „The Kill Team“ aus – das in einer staubigen Gegend der Kanareninsel Fuerteventura gedrehte Kriegsdrama kommt mit wenigen und sich dabei ähnelnden Schauplätzen aus und wirkt dadurch wie aus einem Guss.

Korpsgeist und seine Folgen

Deutlich wird auch das Problem falsch verstandenen Korpsgeists in uniformierten Einheiten. Gerade in Kampfgebieten mag die Loyalität zur Truppe für eine Kompanie, eine Gruppe oder einen Zug von existenzieller und somit lebensrettender Bedeutung sein. Wenn dies jedoch zur Toleranz von oder sogar Teilnahme an Kriegsverbrechen führt, ist der Weg zur Entmenschlichung nicht weit. Und Krieg gebiert nun mal nahezu zwangsläufig Verbrechen, was viele Soldaten vor große moralische Dilemmata stellt. Dies kommt in „The Kill Team“ gut zum Vorschein. Kein großer Kriegsfilm, aber empfehlenswert und durchaus bedeutsam.

Andrew Briggman vertraut sich seinem Vater an

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Alexander Skarsgård haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

GIs in Afghanistan – Befreier oder Feinde?

Veröffentlichung: 3. Januar 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Kill Team
SP/USA 2019
Regie: Dan Krauss
Drehbuch: Dan Krauss
Besetzung: Alexander Skarsgård, Nat Wolff, Adam Long, Jonathan Whitesell, Brian Marc, Osy Ikhile, Rob Morrow, Anna Francolini, Oliver Ritchie, Ian Attard
Zusatzmaterial: Interviews mit Cast & Crew, B-Roll, Trailer, Trailershow
Label/Vertrieb: Universum Film

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 Universum Film

 

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Unter Feinden – Walking with the Enemy: In feindlicher Uniform

Walking with the Enemy

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Ungarn trat als Verbündeter des Deutschen Reichs in den Zweiten Weltkrieg ein. Als Reichsverweser führte Admiral Miklós Horthy das Königreich ohne König in autoritärer Weise. Doch als sich der Kriegsverlauf zuungunsten der Deutschen drehte, wandte sich das Land nach und nach den Alliierten zu. Folge: Am 19. März 1944 begann das Unternehmen Margarethe – der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Ungarn.

Noch ist der Krieg nicht in Budapest angekommen

Damit beginnt auch „Unter Feinden – Walking with the Enemy“. Das Kriegsdrama steht in einer Tradition europäischer Filme, mit denen einzelne Nationen ihre Beteiligung am Zweiten Weltkrieg aufarbeiten, etwa Finnland („Winterkrieg“, 1989), Dänemark („9. April – Angriff auf Dänemark“, 2015), Estland („Brüder – Feinde“, 2015) und Norwegen („The King’s Choice – Angriff auf Norwegen“, 2016). „Unter Feinden – Walking with the Enemy“ ist allerdings unter der Ägide der US-Produktionsfirma Liberty Studios an Drehorten in Rumänien entstanden.

Die Pfeilkreuzler machen mit den einmarschierten Deutschen gemeinsame Sache

Kurz nach dem Einmarsch der Deutschen trifft auch SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann (Charles Hubbell) in Budapest ein, um die Deportation der ungarischen Juden zu organisieren und zu überwachen. Die beiden jungen jüdischen Männer Elek Cohen (Jonas Armstrong) und Ferenc Jacobson (Mark Wells) kommen in ein Arbeitslager, doch bei einem alliierten Luftangriff gelingt ihnen die Flucht. Derweil muss sich Admiral Horthy (Ben Kingsley) mit dem deutschen SS-Oberst Otto Skorzeny (Burn Gorman) herumplagen, der mehr ungarische Kollaboration in der „Judenfrage“ einfordert. Als Elek und Ferenc an zwei SS-Uniformen gelangen, reift in den beiden Freunden ein waghalsiger Plan.

Die jungen Juden planen ihren Widerstand

Von den etwa 825.000 ungarischen Juden, die in der ersten Hälfte der 1940er-Jahre in dem Königreich lebten, kamen etwa 525.000 im Holocaust ums Leben. Die Geschichte von „Unter Feinden – Walking with the Enemy“ ist inspiriert von den Taten Pinchas Tibor Rosenbaums, der als Faschist getarnt – wenn auch in Uniform der ungarischen Pfeilkreuzler – hunderte jüdische Landsleute vor der Deportation nach Auschwitz rettete. Hauptfigur des Ensemblefilms ist dann auch Elek. Die Produktion hat internationales Format, folgt aber bewährten Pfaden heldenhafter Kriegsdramen, inszenatorische Finessen oder Überraschungen bleiben daher Mangelware. Ausstattung, Setdesign und auch Schauspielkunst genügen hohen Ansprüchen, bemerkenswert für ein Regiedebüt – es ist die bislang einzige Regiearbeit von Mark Schmidt. Der getragene Score wirkt allerdings etwas beliebig. Szenen mit Admiral Horthy dienen in erster Linie dem Zweck, den Widerstand des ungarischen Reichsverwesers gegen die antijüdischen Maßnahmen der deutschen Besatzer zu dokumentieren, eine differenzierte Auseinandersetzung mit Horthys Rolle in dieser Zeit findet nicht statt.

SS-Oberst Otto Skorzeny zieht seine Maßnahmen durch

Kriegs-Action, Spannung und bewegende Szenen halten sich die Waage. „Unter Feinden – Walking with the Enemy“ reiht sich im guten Mittelfeld vergleichbarer Kriegsdramen ein, die bestimmten Ereignissen und Handlungsorten des Zweiten Weltkriegs ein Denkmal setzen wollen.

Reichsverweser Admiral Horthy (l.) widersetzt sich den Deutschen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ben Kingsley sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Elek Cohen spielt ein gewagtes Spiel

Veröffentlichung: 5. Juli 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 113 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Walking with the Enemy
RUM/UNG/KAN/USA 2013
Regie: Mark Schmidt
Drehbuch: Kenny Golde
Besetzung: Ben Kingsley, Jonas Armstrong, Mark Wells, Hannah Tointon, Burn Gorman, David Leon, Flora Spencer-Longhurst, Michelle Miklosey, Jeffrey C. Hawkins, Simon Kunz, Charles Hubbell
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 Tiberius Film

 

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